Steiniger Weg nach Bethlehem

Weihnachtliche Wanderung in den Artà-Bergen

Thomas Zapp | 25.12.2011

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Blick auf die Ermita de Betlém.

Foto: T. Zapp

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Wer hier lebt, will sein Gesicht nicht in der Zeitung sehen. Das hätte man sich natürlich denken können, aber fragen musste man Joan, den Einsiedler, allein schon aus journalistischer Pflicht. Der Mann mit dem langen grauen Bart und geschätzten 50 Jahren ist der letzte Bewohner der Eremita de Betlém, der "Einsiedelei von Bethlehem" bei Artà.

Vor zwei Jahren waren zwei Mönche der Glaubensgemeinschaft Eremitas de San Pablo San Antonio ins Kloster von Valldemossa umgezogen. In diversen Quellen ist vermerkt, dass die Ermita seitdem leer steht. Das stimmt nicht, es gibt eben Joan, der religiöse Andenken in einem kleinen Laden direkt neben der Kapelle verkauft und nach eigener Aussage "den Rest seines Lebens" dort verbringen will.

Wer eventuell einen etwas kürzeren Zeitraum in Betracht zieht, um zu sich selbst zu finden, etwa auf einer Weihnachtswanderung, ist auf dem Weg zur Ermita gut aufgehoben. Es gibt zwei Möglichkeiten, zu Fuß dorthin zu gelangen. Entweder von der Urbanisation Betlém, einem Ortsteil der Colònia de Sant Pere, oder von der anderen Seite des Massivs von Artà.

Der Weg von S'Alquería Vella im Parc Natural del Llevant dauert einfach etwa 50 Minuten. Die Strecke führt über den 339 Meter hohen Coll de sa Truja. Wendet man sich dann nach links, sieht man bereits die Ermita am Hügel und rechts davon das Meer. Ein fantastischer Blick!

Der Weg ist allerdings manchmal recht steinig, gutes Schuhwerk ist unbedingt zu empfehlen, bei Regen kann es sehr glatt werden, da manche Stellen komplett mit Steinen bedeckt sind. Manche Passagen sind vor allem auf dem Hinweg schwierig, weil sie einen steilen Abstieg beinhalten. Eventuell ist der Einsatz von Nordic-Walking-Stöcken von Vorteil.

Am Wegesrand fallen immer wieder untersetzte, ungewöhnlich buschige Palmengewächse auf. Dabei handelt es sich um eine urmallorquinische Pflanze, die Palmito oder Garballó, eine Zwergpalme. Sie gilt als einzige europäische Palmenart.

Die Garballó wächst nach Waldbränden als erste Pflanze wieder neu, deswegen steht sie oftmals recht einsam am Wegesrand, vor allem in brandintensiven Gegenden wie der Gemeinde Artà. Sie passen jedenfalls gut zu einer Weihnachtswanderung, wurde Jesus nicht auch von einer jubelnden Menschenmenge mit Palmwedeln empfangen?

Kurz vor Erreichen der Ermita kann der Wanderer Rast an der Quelle Font de s'Ermita machen. Sie gibt das ganze Jahr hindurch Wasser. Direkt daneben befindet sich eine künstliche Grotte mit einer Marienstatue zu Ehren des Wunders im südfranzösischen Lourdes.

Eine eingelassene Platte am Tor zur etwa 150 Meter langen Zypressenallee, die zur Ermita führt, weist auf das alte Landgut Binialgorfa hin. Dessen Eigentümer Jaume Morey stiftete das Gelände Anfang des 19. Jahrhunderts der Kirche. Am 29. Juli 1805 wurde auf den Ruinen einer Finca und einer Ölmühle mit dem Bau der Ermita begonnen. Zu ihr gehört eine frei zugängliche Klosterkapelle im neoklassizistischen Stil, die Kuppel verzieren Fresken von Francisco Parietti. Die Christusfigur ist an jedem 1. Mai Ziel einer Wallfahrt.

Hinter der Eremita im etwas spärlich bewachsenen Klostergarten gibt es einen Aussichtspunkt, der einen Blick auf den Küstenort Betlém in der Bucht von Alcúdia bietet. Nach der Besinnung wartet die Rückkehr in den Naturpark und Joan hat dann wieder seine Ruhe.

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