Der Naturpark Albufera im Norden Mallorcas bietet mehr als 300 Vogelarten Schutz. Aber nicht nur für Ornithologen lohnt sich ein Besuch: Das Feuchtgebiet ist einer der letzten unberührten Flecken auf der Insel.
Eine Wanderung durch den Naturpark Albufera gehört zu den eindrucksvollen Naturerlebnissen auf Mallorca. Je weiter man sich von der Küstenstraße entfernt, die Alcúdia mit Can Picafort verbindet, und je tiefer man eindringt in das schilfbewachsene Gelände, desto intensiver wird das Gefühl, hier an einem einzigartigen Flecken gelandet zu sein.
Sobald der Motorenlärm in der Ferne verhallt ist, verschafft sich die reiche Natur Gehör: Es ist ein einziges Geschnatter, Gezwitscher und Gegacker, unterbrochen nur durch ständiges Geraschel und Geplätscher. Meistens riecht es modrig, hin und wieder auch nach blühendem Rosmarin. Hier quakt eine Ente, dort schießt eine Rohrweihe aus ihrem Versteck. Büschelbewehrt wiegt sich das Schilf im Wind.
„Die Albufera ist eine Oase." Derjenige, der das sagt, muss es wissen. Denn Maties Rebassa ist der Direktor des Natur-parks und verbringt dort die meiste Zeit. „Es gibt nur ganz wenige solche Orte." Mehr als 300 Vogelarten haben Ornithologen hier schon beobachtet. Tausende Vögel rasten hier im Herbst auf der Durchreise in wärmere Weltgegenden. An manchen Tagen sei es möglich, bis zu 60 verschiedene Arten zu beobachten, viele davon gibt es in Nord- und Mitteleuropa nicht, manche sind auch hier vom Aussterben bedroht.
Kein Wunder, dass besonders im Frühjahr und im Herbst Vogelkundler die Albufera besuchen. Mehrere Aussichtsplattformen, Unterstände und Beobachtungshütten machen aus dem Naturpark ein wahres Paradies für Ornithologen. Rund 100.000 Besucher kommen Jahr für Jahr in den Park, vor allem deutsche und britische Touristen aus den umliegenden Touristenhochburgen - vielleicht auch, um für einen Moment lang dem Urlaubsrummel zu entgehen.
Denn die Albufera liegt inmitten eines Geländes, in dem der Siedlungsdruck des Menschen groß ist - und das liegt nicht nur an der völlig verbauten Playa de Muro. Am Horizont erhebt sich das örtliche Elektrizitätswerk und bildet so unweigerlich die Kulisse für manche vogelkundliche Foto- oder Videoaufnahme.Rings um das 1600 Hektargroße Schutzgebietwird fleißig gebaut. Manche Vogelarten sind in Gefahr, weil ihre Ausflüge ins Umland der Albufera immer unsicherer werden. "Man sieht daran", sagt Rebassa, "dass es oft keinen Sinn macht, nur hier und dort kleine Flecken unter Naturschutz zu stellen und das Umland nicht." Die größte Gefahr für die Albufera aber ist gar nicht sichtbar. Sie lauert unter Wasser.
Der älteste Naturpark Mallorcas (seit 1988) befindet sich inmitten eines Gebietes, das intensiv landwirtschaftlich genutzt wird - seit Jahrzehnten. Dementsprechend großzügig gehen die Bauern mit Kunstdünger um. Die Folge: Eine hohe Nitratbelastung des Grundwassers. Diese bedroht das empfindliche Gleichgewicht des Naturparks permanent. Dazu kommt, dass die Kläranlage von Sa Pobla das - mehr oder weniger- gereinigte Wasser in den Torrente Sant Miquel leitet. Der wiederum fließt mitten durch die Albufera. „Manchmal gelangen so Fäkalien in den Park", sagt Rebassa.
In diesem Jahr sei die Situation aber ganz gut, wie er sagt. Da es viel geregnet hat, habe es einen steten Wasseraustausch gegeben. Beleg dafür ist die ungewöhnlich große Population an Wasservögeln, die Rebassa und seine Mitarbeiter in den vergangenen Wochen ausgemacht haben. „Vögel sind hervorragende Indikatoren dafür, wie es um ein Ökosystem bestellt ist", sagt Rebassa.
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