Neue Rekorde, alte Probleme

Längst ist der Kreuzfahrttourismus zu einer soliden Säule der Tourismuswirtschaft geworden

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Sieben Kreuzfahrtschiffe mit mehr als 300 Meter Länge können gleichzeitig im Hafen Station machen, wenn die Erweiterung Ende des Sommers abgeschlossen ist. Dieses Foto zeigt den Blick vom Schloss Bellver auf die Bucht von Palma.

Foto: J. Torres

Für den Kreuzfahrttourismus auf Mallorca ist soeben ein wahres Rekordjahr zu Ende gegangen. 537 Schiffe machten 2011 in Palmas Hafen Station und brachten dabei fast 1,5 Millionen Passagiere auf die Insel - beides Spitzenwerte. „Die beiden zurückliegenden Jahre waren wirklich außerordentlich gute Jahre", heißt es bei Palmas Hafenverwaltung.

Längst ist der Kreuzfahrttourismus zu einer soliden Säule der Tourismuswirtschaft geworden. Spanienweit sind die Inseln die drittwichtigste Kreuzfahrtdestination, nach Barcelona und den Kanaren. 36,6 Millionen Euro spülte die Branche alleine im ersten Halbjahr 2011 in die hiesigen Kassen, wie kürzlich am Rande der Kreuzfahrtmesse International Cruise Summit in Madrid bekannt wurde.

Journalist und Kreuzfahrtexperte Uwe Bahn kennt Palmas Vorzüge genau. „Palma ist eine wunderbare Metropole", sagt er. „Als Ein- und Ausschiffungshafen steht Palma wegen der idealen Fluganbindung deutschen Häfen in nichts nach." Kein Wunder, dass der größte deutsche Kreuzfahrtanbieter Aida Cruises Palma seit Jahren als Basishafen im Mittelmeer nutzt. Die Schiffe Aidavita und Aidabella machen 2012 zusammen 58-mal in der Bucht von Palma fest.

Auch andere Inselorte versuchen nun, verstärkt vom Geschäft mit den Schiffsreisenden zu profitieren, die Statistiken zufolge pro Tag wesentlich mehr Geld ausgeben als andere Urlauber. Die zentralmallorquinische Stadt Inca etwa plant, über ein Abkommen mit einem Reiseveranstalter jährlich 5000 bis 8000 „Urlauber zur See" zu Tagestouren in die für ihre Lederwaren bekannte Stadt zu locken.

Die nordmallorquinische Gemeinde Alcúdia plant derweil, ihren Hafen als Kreuzfahrtdestination zu bewerben. Neben Palma, Maó, Eivissa und La Savina auf Formentera wäre Alcúdia der fünfte Kreuzfahrthafen auf den Balearen.

Auch in Palma ist man nicht untätig. Derzeit laufen Erweiterungsarbeiten an der Westmole, die sich die Hafenbehörde rund 40 Millionen Euro kosten lässt. Ist das Projekt abgeschlossen, werden sieben mehr als 300 Meter lange Kreuzfahrtschiffe zur gleichen Zeit in Palma Station machen können. Ende Sommer 2012 soll es so weit sein.

Aber es gibt auch ungelöste Probleme. So ist etwa der Transfer von den am weitesten entfernten Anlegestellen am Dic de l'Oest in die Innenstadt noch immer mangelhaft. „Wenn man einen hinteren Liegeplatz im Hafen erwischt, ist der Weg in die Stadt zu weit. Da kann man nur hoffen, dass man ein Taxi bekommt", sagt Uwe Bahn, der auch in diesem Jahr einen mehrere Hundert Seiten dicken Kreuzfahrtguide veröffentlicht.

Pläne, die Alte Mole unmittelbar an der Kathedrale vom Waren- zum Kreuzfahrthafen umzubauen, wurden zwar gelegentlich diskutiert, letztlich aber immer wieder verworfen. Bahn: „Den Kreuzfahrthafen an die Alte Mole zu verlegen, hätte sicher Flair. Wie groß dann die Schadstoffbelastung für die historische Altstadt ist, sollte aber vorher mehr als sorgfältig geklärt werden."

Auch die Tatsache, dass sich Hunderte, ja, Tausende Kreuzfahrturlauber an Wochenenden in Palma in einer geradezu ausgestorbenen Altstadt wiederfinden, gehört zu den ungelösten Problemen. Versuche, die Gewohnheiten mallorquinischer Ladenbesitzer zu ändern, sind bislang stets kläglich gescheitert. „Dass die Geschäfte in Palma an Wochenenden geschlossen haben, stört mich nicht", sagt Bahn. „Man kann auf Mallorca viele andere Dinge unternehmen."

Und so ist der Kreuzfahrtboom auf der Insel denn auch ungebrochen. Auch wenn das kommende Jahr einen deutlichen Rückgang der Gesamtzahl der Kreuzfahrtschiffe erwarten lässt, die Palma anlaufen werden. Laut Hafenbehörde sind für 2012 exakt 454 Anläufe geplant, 15 Prozent weniger als 2011. „Das ist keine Überraschung", heißt es bei der Hafenbehörde. „Zuletzt hat Palma von den Unruhen in Nordafrika profitiert. Wir haben damit gerechnet, dass die Zahl etwas zurückgehen wird."

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