Der letzte Untergang der „Baleares”

Die Entscheidung, Palmas Kriegerdenkmal modifiziert stehen zu lassen, weckt neue Widerstände

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Schluss mit „Viva España”. Den elektrischen Schleifgeräten ist die Inschrift aus Sandstein kaum gewachsen. In null Komma nichts raspelt die raue Scheibe die hervorstehenden Buchstaben ab, die dort 62 Jahre Wind und Wetter getrotzt hatten. An dem Kriegerdenkmal in Palmas Stadtpark Sa Faixina sind seit vergangener Woche Handwerker damit beschäftigt, das franquistische Wappen und die steinerne Inschrift einzuebnen.

Nach Monaten erbitterten Streits rund um den Gedenkstein hatte Palmas Rathaus die Entscheidung getroffen, das Monument stehen zu lassen und lediglich die politische Symbolik auf der Säule zu tilgen (siehe MM 5/2010). Mehr noch: Das Kriegerdenkmal, das an den Untergang des Schlachtschiffes „Baleares” erinnert, solle nun zu einer Gedenkstätte für alle Opfer von Krieg und Diktatur werden, beschloss das Rathaus.Ein Inschrift in fünf Sprachen ist geplant. Frei übersetzt wird zu lesen sein:Dieses Monument wurde im Jahre 1948 errichtet, in Erinnerung an die Opfer des Untergangs des Kreuzers ,Baleares' während des Bürgerkriegs (1936-1939). Heute ist es für die Stadt Symbol des demokratischen Willens, die Schrecken der Kriege und der Diktaturen niemals zu vergessen. Palma 2010 Ungeachtet dieser salomonisch anmutenden Lösung flaut die Polemik nicht ab. Im Gegenteil, jetzt kündigt sich in der Diskussion eine zusätzliche Schärfe an. Eine Splittergruppe, die sich Unabhängige Linke Mallorcas nennt, beharrt auf ihrer Forderung, das Säulenmonument beseitigt zu sehen. „Wir bleiben da nicht mit gekreuzten Armen stehen”, sagte ein Sprecher, „jetzt müssen wir weiter dran arbeiten und das Monument – wie auch immer – zu Fall bringen.” Im Klartext: Gegner der Entscheidung drohen damit, das Denkmal gewaltsam zum Einsturz zu bringen.

Ungeachtet solcher Aussagen hat die Stadtverwaltung nach eigenem Bekunden vorerst nicht den Eindruck, dass die Gewaltbereitschaft zur Beseitigung des Denkmals zugenommen habe. Gleichwohl sei erhöhte Wachsamkeit notwendig, um vandalistische Gewaltakte zu verhindern.

Die Gegner des Denkmals hatten sich nach dem Rathausbeschluss von Anfang Februar alles andere als erfreut gezeigt. Bis zu 52 Verbände, Vereine und Angehörige der Opfer der franquistischen Gewaltherrschaft auf den Inseln hatten sich zu einer Plattform zusammengeschlossen, um den Abriss zu verlangen. Sie sahen sich gestärkt durch das Gesetz zur Wiedererlangung der historischen Erinnerung, das die Beseitigung von kriegs- und gewaltverherrlichenden Denkmälern des Franco-Regimes vorschreibt. Dass das einst von den Tätern errichtete Denkmal nun auch für deren Opfer gelten solle, sei eine nachträgliche Verhöhnung, sagte eine Sprecherin. „Wir liegen lieber tot, aber mit Würde im Straßengraben, als dass wir teilhaben an einem franquistischen Denkmal.” Zum Hintergrund: Im Bürgerkrieg hatten die Franquisten viele Zivilisten nachts in Straßengräben hingerichtet und tot liegen gelassen.

Gleichzeitig hatte eine Gegenplattform mit 35 Verbänden und Vereinen, denen keineswegs pauschal Rechtsradikalismus unterstellt werden kann, sich für den Erhalt der Säule ausgesprochen. Sie sei historischer Ausdruck einer Zeit, die mittlerweile vergangen sei. So wie heute niemand den Abriss des Kastells von Bellver fordern würde (als Ausdruck des Feudalismus) oder der Kathedrale von Palma (als Ausdruck der Inquisition), sollte auch das Denkmal wegen seiner Architektur und als Dokument seiner vergangenen Epoche erhalten bleiben. Allerdings bedürfe es in diesem Falle einer neuen, zeithistorischen Einordnung, etwa durch zusätzliche Erklärtafeln.

Auch diese Plattform berief sich auf das Gesetz zur historischen Erinnerung, legte es aber anders aus: Die Säule sei keine Verherrlichung der Franco-Diktatur, sondern erinnere an eine Tragödie. Viele der 750 Matrosen, die bei dem Schiffsuntergang im März 1938 ums Leben kamen, stammten aus Mallorca.

Die Variante, die nun das Rathaus verfolgt, wurde von dieser Plattform weitgehend für gut befunden.

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