„Öffnen Sie bitte Ihre Handtasche!”

Schärfere Kontrollen in Palma und auf allen EU-Flughäfen / Ab Januar 2003 auch Koffer durchleuchtet / Geplant: Röntgenanlage für 30 Millionen Euro

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Auch am Flughafen Son Sant Joan in Palma kann es künftig heißen: „Handgepäckkontrolle. Bitte machen Sie Ihre Tasche auf.” Und das, obwohl der Fluggast bereits die Sicherheitsschleuse hinter sich gelassen hat, wo sein Handgepäck durch einen Röntgenscanner auf seinen ungefährlichen Inhalt hin überprüft worden war. Mehr noch: Fluggäste müssen sich auf zusätzliche Leibesvisitationen nach dem Zufallsprinzip einrichten, obgleich sie bereits beim Einkehren in den Sicherheitsbereich einen Metalldetektor-Durchgang passiert hatten.

Damit nicht genug: Von Januar kommenden Jahres an müssen in Son Sant Joan auch alle Koffer vor dem Einchecken per Röntgenscanner auf mögliche Bomben oder Waffen durchleuchtet werden. Gleichzeitig hat der staatliche Flughafenbetreiber Aena ein Projekt ausgeschrieben, mit dem die Koffer auf dem Weg zum Flugzeug automatisch geröngt werden sollen. Die Kosten für das umfangreiche Bauvorhaben im Gepäckbereich des Airports betragen 30 Millionen Euro. Das Vorhaben solle in den kommenden drei Jahren verwirklicht sein.

Die verschärften Sicherheitsvorkehrungen in Sachen Leibesvisitation und Handgepäckkontolle gelten seit Wochenbeginn (2. Dezember) und sind an allen Flughäfen der Europäischen Union zeitgleich in Kraft getreten. Die Gemeinschaft hat damit weitere Konsequenzen aus den Terroranschlägen des 11. Septembers 2001 gezogen. Unter dem Eindruck anhaltender terroristischer Bedrohung haben die EU-Luftaufsichtsbehörden gemeinsam mit den Flughäfen, Airlines und Polizeien darüber beraten, wie die Sicherheit der Passagiere verbessert werden könne.

Der Fluggast, der von Son Sant Joan aus die Insel per Flugzeug verlassen will, muss sich demnach auf mehr einstellen als die ohnehin vorhandenen Kontrollen im Bereich der Sicherheitsschleuse mit Metalldetektor und Handgepäck-Durchleuchtung. Die neue manuelle Leibesvisitation und das Durchsuchen von Handtaschen, Rucksäcken und Einkaufstüten per Hand erfolgt stichprobenartig und trifft die Passagiere nach dem Zufallsprinzip.

Es kann also passieren, dass jemand nur seine Reisesouvernirs aus dem Flughafen-Supermarkt vorzeigen muss, ein anderer noch einmal am Körper nach Waffen abgetastet wird und ein dritter beide Prozeduren über sich zu ergehen lassen hat – wohlgemerkt alles im Sicherheitsbereich, wo man bislang im Glauben sein konnte, alle Kontrollen hinter sich gelassen zu haben. Nach Einschätzung der Kontrolleure werden dadurch im Schnitt zehn Prozent der Passagiere zusätzlich unter die Lupe genommen, schreibt der „Diario de Mallorca.”

Nach Angaben des Flughafensprechers Mateo Cladera hat es wegen der Kontrollen keinerlei Beschwerden gegeben. „Im Gegenteil, die Fluggäste sind hoch zufrieden. Sie haben nicht das mindeste Problem, sprechen wir es offen aus, sich zu entblößen.”

Auch die Reiseveranstalter haben bislang keine Beschwerden registriert. Die Menschen seien angesichts der terroristischen Anschläge auf Fluggäste und Touristen rund um den Globus sensibilisiert. „Wir haben bei den Reisenden ein gewisses Verständnis festgestellt”, sagt der Südeuropa-Direktor für Air Berlin, Alvaro Middelmann.

Die Branche der Fluggesellschaften und Airlines nimmt die EU-einheitlichen Regelungen für die so genannten „Spotchecks” durchweg positiv auf. „Alles, was der Sicherheit des Luftverkehrs und der Fluggäste dient, ist gut”, sagt LTU-Sprecher Marco Dadomo. Gleichwohl halten die Touristiker nicht mit ihrer Befürchtung hinterm Berg, die zusätzlichen Kontrollen könnten an Tagen mit hohem Passagieraufkommen zu langen Warteschlangen und Verzögerungen führen.

„Wenn so etwas nicht perfekt organisiert ist, kann es zu Verspätungen kommen”, mahnt Aero-Lloyd-Sprecher Asger Schubert. Und der Sprecher der TUI in Spanien, Juan Carlos Alía, sekundiert: „Wenn man feststellt, dass etwa an Weihnachten oder Silvester der reibungslose Ablauf nicht klappt, muss man dafür sorgen, dass mehr Kontrollpersonal vorhanden ist.”

Aber das ist eine Sorge, die nach den Worten des Flughafensprechers Cladera unbegründet ist. „Es ist doch ganz offensichtlich: Wenn mehr Passagiere zu erwarten sind, muss der Personalstand für die Kontrolle erhöht werden.”

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