Neue Plätze nur unter strengen Auflagen – wenn überhaupt

Politische Diskussion um den Bau neuer Anlagen / Viel hängt von der Wahl im Mai ab

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Rasen passt überhaupt nicht zum Mittelmeer”, findet Brachial-Komiker Leo Bassi. Die Leute sollten lieber einen traditionellen Sport wie Petanca (Boule) ausüben, der außerdem „viel weniger wertvolle Landschaft verbraucht”. Leo „will keinen neuen Scheiß-Golfplatz auf Mallorca”.

Doch die politische Mehrheitsbildung auf der Insel dürfte bald den Bau neuer Anlagen möglich machen. Dafür zuständig ist der mallorquinische Inselrat (Consell Insular de Mallorca). Zur Zeit ist eine Gesetzesvorlage unterwegs, um einen neuen Flächennutzungsplan zu verabschieden.

Nach dem gegenwärtigen Stand der Diskussion dürfte es eine breite Mehrheit dafür geben, neue Plätze zu ermöglichen. Francisca Jaume, Sprecherin der Inselratspräsidentin Maria Antònia Munar, erklärt, dass vorgesehen ist, neue Plätze genehmigungsfähig zu machen, wenn sie drei Voraussetzungen erfüllen.

Bei den Projekten muss es sich um reine Sportanlagen handeln, die nicht in Verbindung mit Immobilien– oder Hotelprojekten stehen dürfen. Nach einem früheren Entwurf war lediglich der Bau von Wohnimmobilien verboten, der eines Hotels noch möglich.

Zum Zweiten müssen alle Umweltschutzbedingungen erfüllt werden, vor allem darf ausschließlich mit geklärtem Brauchwasser bewässert werden. Und zu guter Letzt muss der Eingriff in die Landschaft „minimal” bleiben, in keinem Fall dürften Flächen in Schutzgebieten zerstört werden. In Landschaftsschutzgebieten (ARIP, Area rural de interés paisajístico) und Naturschutzgebieten (ANEI, Area natural de especial interés) sei der Bau neuer Plätze auch künftig verboten.

Da auch mit der Partido Popular die konservative Opposition im Regionalparlament und größter Befürworter neuer Golfplätze dieser Meinung ist, dürfte es auf Mallorca auf absehbare Zeit keine Golfprojekte geben, die in Verbindung mit einer Hotel– oder Wohnanlage stehen. Joan Flaquer, neuer Fraktionssprecher der PP, betont ausdrücklich, dass neue Anlagen außerdem den Vorgaben des neuen Flächennutzungsplanes entsprechen müssen und ausschließlich Wasser aus Kläranlagen nutzen dürfen.

Die sozialdemokratische PSOE, stärkste Partei in der bunten, „Pacte de Progres” (Fortschrittspakt) genannten Regierungskoalition, hat sich mittlerweile auch zu der Position durchgerungen, neue Golfplätze nicht zu verhindern. Tourismusminister Celestí Alomar hält es für wünschenswert, wenn zu den 18 bereits existierenden Anlagen (davon 15 öffentlichen) „noch zwei oder drei hinzukommen”. Wie Munar und andere Golfplatzbefürworter will er damit ein Tourismussegment ankurbeln, das für die Insel besonders interessant ist. Denn Golfer kommen hauptsächlich in der Vor– und Nachsaison, im Jahr 2001 haben knapp 80.000 von ihnen Einnahmen von insgesamt fast 188 Millionen Euro generiert.

Neben den bereits genannten hat Alomar eine weitere Einschränkung für den Bau neuer Plätze: Sie sollen nur auf einer Fläche entstehen, die für die touristische Nutzung ausgeschrieben ist (laut POOT, Plan de Ordenación de la oferta turística).

Unió Mallorquina (UM), die Partei der bürgerlichen Nationalisten, die auch die Inselratspräsidentin stellt, wünscht sich darüber hinaus eine Formulierung, nach der der „minimale Eingriff in die Landschaft” bei einem Neubau so verstanden wird, dass ein neuer Golfplatz eine heruntergekommene Gegend verschönern soll. In dem aktuellen Entwurf steht denn auch ein Satz, nachdem Sporteinrichtungen grundsätzlich keine „deutliche Verbesserung” der Umwelt darstellen können.

Trotz dieser deutlichen Einschränkungen für den Neubau von Golfplätzen ist es keine ausgemachte Sache, dass der neue Flächennutzungsplan noch in dieser Legislaturperiode so beschlossen wird. Denn zwei der Koalitionsparteien sind grundsätzlich gegen den Bau neuer Golfplätze. Zum einen, wenig überraschend, die Grünen. „Ihre” Umweltministerin, Margalida Rosselló, findet, dass „die Landschaft auf unseren Inseln schon genug verschandelt ist”, außerdem sei der Tourismus, den man mit weiteren Anlagen fördern will, bereits am Limit angelangt. Und die Wasserproblematik auf dem von periodischen Trockenheiten heimgesuchten Archipel würde weiter verschlimmert.

Auf ihrer Seite befindet sich Koalitionspartner PSM. Die Sozialistische Partei Mallorcas hat durch ihren Vorsitzenden (und balearischen Vizepräsidenten) Pere Sampol zur Eröffnung des Vorwahlkampfes in dieser Woche klar gesagt: „Wir wollen keine neuen Golfplätze, keine neuen Sporthäfen und keine neuen Autobahnen”. Sein Parteifreund Mateo Morro, im Kabinett für Landwirtschaft verantwortlich, hält neue Golfplätze nicht „für das bevorzugte touristische Angebot”, außerdem „sehe ich nicht, wie es die soziale Struktur auf den Insel verbessert”. Maximal, so schränkt er ein, könnte er sich einen einzigen neuen Platz vorstellen, „aber fördern dürfe man den Bau auf keinen Fall”.

Wohl nicht zu Unrecht sieht er einen Konflikt zwischen den Ansprüchen des Flächennutzungsplanes und den Wünschen von Golfplatzbetreibern: Die Einschränkung, nur in „heruntergekommenen Zonen” eine Anlage zu gestatten, ziehe nicht, „weil die Bauherren gerade da einen Platz errichten wollen, wo die Landschaft am schönsten ist”.

Der Bauernverband Unió de Pagesos stellt sich hinter den Minister. Der Vorsitzende Joan Mas kritisiert, die Politiker könnten nicht auf der einen Seite behaupten, die Landwirtschaft sei von strategischer Bedeutung, dann aber Golfplätze fordern, die die Bauern benachteiligen. Dort, wo neue Anlagen gebaut würden, würde urbares Land geopfert, außerdem bliebe für die Landwirte weder Frisch– noch geklärtes Brauchwasser übrig. Auf Mallorca, so Mas, würde zwar reichlich Klärwasser ins Meer geleitet, von dem für die Bewässerung geeigneten Wasser gebe es jedoch viel zu wenig.

Wie Miquel Angel March, Sprecher der balearischen Umweltorganisation GOB, erklärt, verbraucht ein Golfplatz im Hochsommer etwa 2000 Kubikmeter Wasser, so viel wie ein Ort mit 8000 Bewohnern. Laut Vorschrift müssten die Plätze zwar mit geklärtem Wasser bewässert werden, aber wenn dieses nicht in ausreichender Menge zur Verfügung steht, darf auch auf Brunnenwasser zurückgegriffen werden. Nicht nur der GOB hegt den Verdacht, dass durch dieses Schlupfloch viel Frischwasser fließt, denn auch in bester Qualität sei das geklärte Wasser deutlich schlechter für die Pflanzen. Wenig überraschend, dass der GOB aus Landschaftsschutzaspekten dem Bau neuer Golfanlagen grundsätzlich negativ gegenübersteht.

Ob es dennoch neue Golfplätze auf Mallorca geben wird, hängt wesentlich von den Regionalwahlen am 25. Mai nächsten Jahres ab. Sollte die PP (mit oder ohne UM) an die Regierung kommen, dürfte es neue Anlagen geben. Doch wie viele, dass will und kann Fraktionssprecher Joan Flaquer nicht sagen. „Vorher muss eine Studie erstellt werden, auch um zu vermeiden, dass das Angebot zu groß wird.” Der Inselrat ist dafür, jedenfalls steht das im gegenwärtigen Entwurf des Flächennutzungsplanes, im Süden und Norden der Insel neue Plätze zu errichten, weil dort das Angebot im Gegensatz zum Westen dünn ist.

Zur Zeit sind 18 Plätze auf Mallorca in Betrieb, derzeit im Bau ist die Anlage von Aucanada (bei Alcúdia). Dazu kommen, nach Zählung der Umweltschützer von GOB, acht Projekte: Son Jaumell (Capdepera), Son Quint (Palma), Can Puig/Can Gatulles (Pollença), Son Bosc (Muro), Son Corb (Son Servera), Can Guilló (Pollença) und Marina de Llucmajor i Campos.

Wie flexibel mitunter Landschaftsschutzbestimmungen auf Mallorca gehandhabt wurden (werden?), zeigt das Beispiel Son Quint, wo Arabella/Schörghuber einen Platz bauen will, der mit den in direkter Nachbarschaft liegenden Son Muntaner und Son Vida ein einzigartiges Angebot darstellen würde. Bis 1992 war das Gebiet laut GOB noch ein Naturschutzgebiet (ANEI), wurde aber in der Novelle zum Landschaftsschutzgesetz in landwirtschaftliches Gebiet umgewandelt, somit stünde einer Genehmigung (zumindest theoretisch) nach der Verabschiedung des neuen Flächennutzungsplans nichts im Wege.

Für Komiker Leo Bassi eine schreckliche Vorstellung. Nur eines könnte er davon haben: Mehr Platz für die Schafe, die er hin und wieder in ohnmächtigem Protest auf die Grüns führt, damit sie dort ihr „Geschäft” erledigen.

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