Ein Streik für die Hasen

In der Insel-Hauptstadt waren die Mindestdienstleistungen stark gefragt

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Dass irgendetwas in Palma nicht wie sonst war, ließ sich am Donnerstag bereits um 5.30 Uhr in der Fischauktionshalle Lonja erahnen. Wo sonst tonnenweise fangfrischer Fisch umgesetzt wird, ließen sich weder Verkäufer noch Kunden blicken. Wegen des Generalstreiks waren die Fischer am Vorabend nicht ausgelaufen. Warum die Halle überhaupt geöffnet hatte? „Das fragen wir uns auch”, sagten zwei Zunftsmitglieder.

Kurz nach sechs war der Bahnhof in Palma dichtbevölkert. Die einzige Morgenverbindung in Richtung Inca und Sa Pobla startete um 6.20 Uhr und beförderte autolose Arbeiter, unter ihnen viele Afrikaner und Osteuropäer. Viele erschienen – trotz Streiks – viel zu früh zur Arbeit. „Das ist ein Desaster”, meinte ein Rentner, der seine Enkelin besuchen wollte. „Da reden sie von Mindestdienstleistungen, und es gibt nur einen Zug. Es sollten drei sein.” Erst am Abend fuhr ein zweiter Zug.

Weitgehende Betriebsruhe herrschte auch am Busbahnhof. In viele Orte verkehrte nur ein Fahrzeug am Morgen, manchmal ein zweites am Abend. Die Lehrerin Carmen nahm den einzigen Bus nach Portocolom um 6.40 Uhr. Der letzte Unterrichtstag des Schuljahres fand an ihrer Schule noch statt – eine der wenigen Ausnahmen auf der Insel. „Der Generalstreik hat die Schulen kalt erwischt.” Viele mussten die geplanten Abschlussfeiern vorziehen oder ganz absagen. In den Vorschulen, wo die Klassen oft nach Tieren benannt sind, stand und fiel der Unterricht mit der Streikbereitschaft der Lehrer. „Die ,Wiedehopfe' hatten noch einen Tag zum Verabschieden, für die ,Hasen' gab es Streik”, so eine junge Mutter.

Die Zeichen der Arbeitsniederlegungen waren in Palma unübersehbar. In den Abfallcontainern türmte sich der Müll. Viele, aber längst nicht alle Geschäfte und Bars hatten geschlossen. Beim Kaufhaus El Corte Inglés in der Jaime III. versuchten Gewerkschafter, ins Gebäude einzudringen. Als die Polizei ihnen den Zugang verwehrte, kleisterten sie die Schaufenster mit Aufklebern zu.

Umsonst zur Arbeit erschienen war indes ein Kellner der Bar Cristal an der Plaça Espanya. Der Mann hatte am Vortag frei, und niemand hatte ihm mitgeteilt, dass die Bar entgegen führeren Ansagen nun doch dicht blieb. „Wenn mein Chef nicht gleich kommt, hau ich mich an den Strand.”

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