Ohne Simba kein Schlaf

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Als Pablo mich am vergangenen Wochenende besuchte, war er sehr nervös. Immerhin war es der ganz große Tag, 6. Januar, der Tag der Heiligen Drei Könige. Pablo hatte den Königen seine Wünsche genau mitgeteilt: eine Playstation war ebenso dringend erwünscht wie ein Gameboy, und nur widerwillig hatte sich Pablo von seiner Mutter belehren lassen, dass auch die Heiligen Drei Könige Sechsjährigen wirklich noch kein Handy bringen. Höchstens eines aus Schokolade. Damit hatte er sich nur äußerst ungern zufrieden gegeben. Die ganze Nervosität hatte ihn aber nicht gehindert, mir erneut Simba vorzustellen. Der Stofflöwe begleitet ihn seit jeher und zeigt bereits ziemlich deutliche Verschleißerscheinungen. Als gut erzogener Gastgeber biete ich auch Simba immer ein Glas Milch an, wenn Pablo zu Besuch kommt. Der Abend kam, die Könige zogen durchs Dorf, Pablo nahm seine Geschenke entgegen. Er strahlte. Die Könige hatten genau zugehört und Pablo alles gebracht, was er sich gewünscht hatte. Spät, sehr spät kam Pablo an diesem Abend ins Bett. Von so viel Aufregung war er totmüde. Doch an Schlaf war nicht zu denken. Simba war verschwunden. Ohne Simba kein Schlaf. Die Eltern suchten. Schließlich riefen sie mich an, fragten nach dem Stofftier. Ich suchte und fand - nichts. Als ich gegen zwei Uhr morgens ins Bett gehen wollte, sah ich hinter dem Nachttisch etwas Fremdes. Hier war Simba, offenbar hatte Pablo auf meinem Nachttisch etwas gesucht. Trotz der frühen Stunde rief ich Pablos Eltern an. Noch nie zuvor war sein Vater so schnell ins Auto gesprungen, war so schnell durchs Dorf gerast. Pablo lag nämlich immer noch weinend im Bett. Keine Playstation, kein Gameboy konnte den geliebten Simba ersetzen, und hätte man ihn auf einem Handy angerufen, er hätte vermutlich aufgelegt. Gegen drei Uhr kehrte Ruhe ein. Pablo schlief, mit seinem geliebten Simba im Arm. Er lächelte im Schlaf und hatte die eine kleine, übrig gebliebene Träne schon vergessen.

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