Weltkonzern mit extralanger Leitung

Nach dem Unwetter warteten Telefónica-Kunden wochenlang auf Reparatur

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Alles, so heißt es, funktioniert in Spanien – früher oder später. Nur einen Sonderfall gibt's: Die Telefónica. Beim iberischen Telefonriesen braucht der Kunde besonders viel Geduld. Und manchmal hilft auch die nicht.

Zugegeben, nach dem schweren Unwetter Anfang November hatten es die Reparatur-Trupps nicht leicht. „20.000 Anschlüsse haben nicht funktioniert, 25.000 Kunden waren ohne Telefon”, bilanziert Jesús Pastor, der für die Balearen zuständige Unternehmenssprecher aus Valencia. „Am Anfang gab es Probleme, wir hatten auch zu wenig Techniker”, sagt Pastor. Zusätzlich hätten die Stromausfälle in einigen Gemeinden die Reparaturarbeiten erschwert. „Ohne Strom können wir auch nichts machen.” Bis auf Einzelfälle sei aber nach wenigen Tagen alles behoben gewesen.

Mehr als nur „Einzelfälle” waren es offenbar, die wochenlang auf kundige Hilfe warteten. Zahlreiche Leserzuschriften erreichten die MM-Redaktion, einige wurden über den Telefónica-Sprecher mit der Bitte um die Angabe von Gründen für die Dauer weitergeleitet. Seit dem 11. November war Hildegard Boehler aus Cas Concos ohne Verbindung: „Fast täglich haben wir uns gemeldet, man versicherte, es an die Techniker weiterzuleiten, passiert ist nichts”, schreibt sie.

Passiert ist schließlich doch etwas. Am 15. Dezember schließlich funktionierte die Leitung wieder. Begründung der balearischen Techniker: „Wir mussten zweimal den Anschluss austauschen.” Bereits seit Anfang Oktober wartet Heinz Horster auf seiner Finca in Son Macia auf eine Reparatur. „Nach mehr als 50 Anrufen erschienen 16 Techniker, einmal sogar vier zusammen. Sie stellten fest, dass sie die Leitung nicht reparieren können. Nach anderthalb Monaten erhielten wir eine neue Leitung, die vier Tage hielt, dann wieder kaputt war”, schreibt er. „Der Kunde hat eine RDSI-Leitung, das Signal kommt nicht bis zum Anschluss. Es liegen mehrere Reklamationen vor”, antwortet das Unternehmen. Die Telefónica bewirbt zwar intensiv diese Art von Anschlüssen, vergleichbar der ISDN-Technik, die balearischen Reparateure sind damit aber offenbar noch nicht vertraut.

Fast kurios der Fall einer weiteren Kundin. Seit Anfang November war sie ohne Verbindung, mehrere Techniker versuchten ihr Glück. Vor einigen Tagen rief die Telefónica sie auf dem Handy an. Sie möge sich keine Sorgen machen, bald werde ihr Anschluss repariert. Vergebliche Mühe: Am 26. Dezember hatte der Techniker bereits Erfolg.

Unter umgestürzten Masten und Kabelrissen mussten jene nicht leiden, die auf abgelegenen Fincas wohnen. Ihr Festanschluss wird über einen sogenannten Radiolink geschaltet. Pferdefuß: Diese Verbindung ist nicht internetfähig. „Ohne Internetanschluss wird man zu einem Menschen zweiter Klasse degradiert”, schimpft Kurt Goldberger aus Cala d'Or. „Um Investitionen für ein digitales System zu sparen, läßt Telefónica uns am langen Arm verhungern.” So falsch liegt Goldberger da nicht. „Jeder Anschluss kostet uns tausende Euro”, sagt Jesús Pastor, „aber anschließend ist niemand verpflichtet, auch mit uns zu telefonieren.” Bevor die Kostenfrage nicht durch die spanische Regulierungsbehörde geklärt sei, werde sich wohl wenig tun, glaubt der Sprecher. Den Kunden bleibt derweil nur die Hoffnung auf raschen Fortschritt der mobilen Internet-Technologie.

Aber auch mit der koventionellen Apparatur hapert es. „Bei öffentlichen Telefonzellen wird sehr oft kein Wechselgeld ausgegeben. Die sind schlimmer als Hütchenspieler”, schimpft Edar Bärwald über „ungerechtfertigte Bereicherung”. Der MM-Tipp: Eine Telefonkarte kaufen, da geht's meistens besser.

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