Die Glosse

Es gibt mich noch! / VON GABRIELE KUNZE

Nein, Señor Pérez sei nicht im Hause, wird mir am Telefon mitgeteilt: „Warum versuchen Sie nicht, ihn über sein Handy zu erreichen?”. Ich wähle, höre scharfe Geräusche und schließlich die mir bekannte Stimme. Ich bringe mein Anliegen vor und höre: „Ich kann sie so schlecht verstehen, ich bin auf der Baustelle meines neuen Hauses.”

Nein, Herr Maier sei nicht im Hause, erfahre ich: „Warum versuchen sie nicht ...” Gesagt, getan. Herr Maier ist verfügbar, hört zu. Doch statt einer Antwort auf meine Fragen erklärt er mir: „Warum rufen Sie mich nicht am Montag wieder an, ich bin gerade in der Autowerkstatt, und der Mechaniker wird schon ungeduldig.” Nein, Señora Gómez sei nicht im Hause, aber: „Sie hat ihr Móvil bei sich, Sie können also ...”

Gesagt, getan. Die Señora Gómez gibt sich kooperationsbereit. „Wir sollten später telefonieren”, sagt sie, „ich bin auf einer sehr kurvenreichen Straße.” Anruf bei Frau Schulze. Die Telefónica teilt in Mallorquín mit, dass der Anschluss zur Zeit besetzt ist.

Also wähle ich die Handy–Nummer. Frau Schulze erklärt mir, dass sie gerade auf dem anderen Apparat spricht. „Wir telefonieren dann später”, sagt sie bestimmt.

Mein Freund Siegbert hat keinen Festanschluss. Ich wähle die Handy–Nummer. Er meldet sich und antwortet auf meine Frage „Störe ich Dich?” mit einem klaren „Ja!”. Dagegen ist nichts zu machen.

Ich beneide alle diese Menschen. Sie haben – im Gegensatz zu mir – ein Telefon.

Ich telefoniere zur Zeit ausschließlich mit der Telefónica, jeweils einmal morgens und abends.

Es hilft nichts, mein Anschluss bleibt „incomunicado”. Auch der mehrmalige Besuch eines Technikers hat daran nichts geändert.
Seit heute hat auch mein Handy seinen Geist aufgegeben. Und die Feiertage dauern an.

So bin ich ganz und gar aus der Welt gefallen. Vergesst mich nicht! Es liegt wirklich nur am Telefon. Es gibt mich noch!

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