In der Dritten Welt

Mallorca und die Wetterkatastrophe / VON WOLFRAM SEIFERT

Als „Tagesschau” und „heute” über die Unwetterkatastrophe auf Mallorca be-richtet hatten, liefen die Telefonleitungen heiß: Verwandte und Freunde in Deutschland wollten von Freunden und Verwandten auf Mallorca wissen, ob sie denn heil davon gekommen seien.

Besser gesagt: Ein Teil der Telefonleitungen lief heiß. Denn vor allem auf dem Lande, wo die Kabel nicht unterirdisch verlegt werden, waren viele Leitungen unterbrochen, von umstürzenden Bäumen gekappt. Wohl dem, der ein Handy sein eigen nennt.

Doch wie immer, wenn es stark stürmt und regnet auf Mallorca, war nicht nur der Telefonverkehr gestört. Auch der Strom fiel in zahlreichen Orten aus. Empörte Leser berichteten der MM-Redaktion, sie hätten bis zu drei Tage ohne Strom und Telefon auskommen müssen.

Was nicht nur bedeutet, dass Gefriertruhen auftauen, Katastrophenwarnungen über Funk und Fernsehen nicht mehr ankommen oder zur Kerze gegriffen werden muss: Auch Trink- und Badewasser gibt es nicht mehr, weil die Pumpen auf elektrische Energie angewiesen sind.

Wenn es stürmt und gießt auf Mallorca, kehrt die Insel zurück in Urgroßvaters Zeit, wird ein Teil der Dritten Welt.

Es ist so sicher wie das Amen in der Kirche, dass dann in Teilen des Eilands oder gar inselweit der Strom ausfällt. Weil Umspannwerke nicht ausreichend gegen Wetterunbilden gesichert, weil Leitungen schlampig verlegt wurden.

Und es ist auch so sicher wie das Amen in der Kirche, dass der Stromausfall stunden- oder tagelang anhält, weil die Planung für den Notfall nicht stimmt oder ein Teil der Mitarbeiter des Energielieferanten und Monopolisten GESA hilflos oder überfordert ist.

Man darf sicher sein, dass sich daran auch nach der aktuellen Katastrophe nichts ändern wird. Es ist schon ein Skandal, dass bei dem Energiekonzern und bei der Telefónica nur die Abrechungssysteme perfekt funktionieren.j * P.S. Diese Woche bekam ein MM-Redakteur Besuch von der GESA, Abteilung Gas. Die Herren bescherten ihm seinen Stadtgas-Anschluss. Als ob die Welt der GESA mit ihren vielen Leitungen gar nicht aus den Fugen geraten wäre.

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