Der Durchschnittsmallorquiner:

Er ist 38 Jahre alt und verdient 206.489 Pesetas im Monat

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Wie ist er eigentlich, „der” Mallorquiner? Mindestens seit George Sand versuchen mehr oder weniger schlaue Menschen, ihn zu ergründen. Jetzt gibt es ein neues Buch, das einen sehr fundierten Blick auf die Inselbewohner erlaubt: „Die Balearischen Inseln in Zahlen 2001”, das vom regionalen Wirtschaftsministerium herausgegebene statistischen Kompendium.

Danach leben die 821.820 Bewohner der Inselgruppe (Zahl von 1999, im Jahr davor waren es noch 796.483) auf insgesamt 494.572'20 Hektar Land. Auf jedem Quadratkilometer Balearen leben somit 165'41 Menschen. Auf Mallorca haben 658.043 Menschen, die 1999 gezählt wurden, 360.371'55 Hektar Platz, pro Quadratkilometer leben auf der Hauptinsel also 181'76 Einwohner. Die Menschen hinter dem Komma sind übrigens nicht etwa amputiert, sondern das Ergebnis der Mittelwerte, ohne die Statistiker nun mal nicht auskommen.

Der Insulaner ist im Schnitt 38'78 Jahre alt, Frauen mit 39'93 gut zwei Jahre älter als Männer mit 37'61 Jahren. Ebenfalls nach Zahlen aus dem Jahr 1999 sind 65'93 Prozent der Einwohner auch auf dem Archipel geboren, 26'70 Prozent sind vom spanischen Festland zugezogen. 7'37 Prozent stammen aus dem Ausland (1996 waren das noch 6'08 Prozent). Von denen haben viele schon einen spanischen Pass, wie insgesamt 94'52 Prozent der Einwohner. 5'48 Prozent haben eine nicht-spanische Staatsangehörigkeit.

Das natürliche Bevölkerungswachstum auf den Balearen ist mit einer Geburtenrate von 11'06 Geburten (Mallorca: 11'08) und 9'27 Todesfällen (9'63) auf 1000 Einwohner recht gering. Auf 1000 Frauen im Alter von 15 bis 44 Jahren wurden 11'84 Abtreibungen vorgenommen, deutlich mehr als die 6'52 im spanischen Durchschnitt. In absoluten Zahlen kamen 1999 noch genau 8848 neue Balearen-Bürger, davon 7095 frische Mallorquiner, auf die Welt.

Für immer verabschiedet haben sich 7418 (6170). Davon haben 60 Selbstmord begangen, 42 Männer und 18 Frauen. Glücklicher waren andere (zumindest vorübergehend): Vor den Altar oder Standesbeamten traten genau 4506 (Mallorca: 3693) Insulaner, das ist eine Hochzeitsrate von 5'63 (5'77) auf 1000 Einwohner. Nach Zahlen von 1998 wurden auf dem Archipel 1235 Ehen geschieden, 1699 Trennungen offiziell ausgesprochen und genau ein Bund fürs Leben annulliert.

Aber was ist schon grauer Ehealltag bei diesen Zahlen: Bei exakt 2983'4 Sonnenstunden (zum Vergleich: in Hamburg schien 1533 Stunden die Sonne, in Berlin 1625, in München 1709 Stunden) und durchschnittlichen Temperaturen von 18'7 Grad Celsius hatten die Insulaner jedweden Familienstandes im Jahr 2000 reichlich Gelegenheit, sich ihrer 1428 Kilometer Küste, davon 623 auf Mallorca, zu erfreuen.

An die Strände fahren sie auf insgesamt 9415 Kilometern Straße, benutzen dabei 680.124 Kraftfahrzeuge (530.064 auf Mallorca). Davon sind 519.372 Pkw (Mallorca: 410.991), 61.645 (44.798) Motorräder, 89.168 (66.509) Lkw, 2174 (1596) Busse, 1057 (886) Traktoren. 1999 gab es auf den balearischen Straßen 3337 registrierte Unfälle, dabei kamen 4805 Menschen zu Schaden, 153 starben.

Die Verletzten fanden in einem der 3169 Krankenhausbetten (Mallorca: 2676) Aufnahme. Um sie kümmerten sich 3462 Ärzte, 374 Zahnärzte und 3431 ausgebildete Krankenpleger. Medikamente gab es bei 953 Pharmazeuten. Fiffi und Mieze wurden von 322 Tierärzten untersucht.

Die Organspendebereitschaft auf den Balearen ist mit 36'8 Spenden pro Million Einwohner (33'91 spanienweit) besonders ausgeprägt. Blut spendeten die Insulaner 36.236 mal, pro 1000 Einwohner gingen 47'65 freiwillig an die Nadel.

Für die Freizeitgestaltung stehen auf den Balearen 57 Museen (36 auf Mallorca), 175 Ausstellungsräume (134), 64 Theater und Konzerthallen (43) sowie 79 Kinos zur Verfügung. Letztere besuchten im Jahr 2000 2.810.196 Menschen, die dabei 1'88 Milliarden Pesetas am Kassenhäuschen ließen.

Zum Kino, Strandausflug oder Museumsbesuch verabreden können sich die Bürger der Balearen von 401.313 festen Telefonanschlüssen (324.163 auf Mallorca), nicht nur von ihrer Freizeit berichteten sie in genau 114.330.561 Postsendungen.

Zu lesen gibt es in 193 Bibliotheken, von denen 132 öffentlich sind. Die Aktivität der Verleger ist nicht sonderlich üppig. 2000 erschienen auf den Balearen 520 Buchtitel mit einer Gesamtauflage von 861.000 Exemplaren, dazu 61 Broschüren mit einer Auflage von 69.000. Dafür gibt es elf Tageszeitungen, elf Wochenzeitungen, zehn Monatsschriften, 29 Radiosender, zehn TV-Stationen und zwei Kabelgesellschaften, die die Inseln mit medialer Information eindecken.

Wer bei so viel stationärer Aktivität Bewegung braucht, findet in insgesamt 1873 Sportvereinen (1494 auf Mallorca) reichlich Auswahl. Die meisten Clubs, 353, widmen sich dem Fußball, doch auch exotischen Sportarten wie Thai-Boxen oder Baseball kann man organisiert nachgehen.

Statistiken haben oft zwei Seiten. Zum Beispiel das Wetter: Wo viel Sonne scheint, ist wenig Regen: Im Jahr 2000 maßen die Meteorologen der Wetterstation Palma gerade mal 225'7 Millimeter Niederschläge, deutlich weniger als etwa 1996, als es 605'1 waren. In der Messstation in Lluc war es deutlich nasser: 2007'9 Millimeter Regen fielen im Jahr 1996, verganges Jahr lediglich 816'6. Bei so viel Trockenheit brennt schon mal der Wald: Fielen im feuchten 1996 lediglich 87'40 balearische Hektar Wald und Wiese den Flammen zum Opfer, waren es in den trockenen Jahren 1992 sage und schreibe 2495'70 und in 1999 ganze 1587'91 Hektar.

Vom guten Wetter angelockt kommen reichlich Touristen auf die Balearen. Im Jahr 2000 kamen 11.047.700 Urlauber auf die Balearen, davon 8.048.900 nach Mallorca. Die meisten der Besucher waren Deutsche (3'9 Millionen), gefolgt von den Briten (3'5 Millionen) und, schon mit weitem Abstand, den Spaniern (1'5 Millionen).

Für die Urlauber stehen auf den Balearen genau 293.451 Betten in 1358 Hotels, Aparthotels und Appartements-Komplexen zur Verfügung. Dazu kommen noch einmal 116.619 Schlafstätten in 1128 Ferienwohnanlagen, Landhotels, Finca-Hotels und Feriendörfern. Auf Mallorca sind das 216.835 Betten in 947 Etablissements der erstgenannten und 59.826 Betten in 544 Etablissements der zweitgenannten Art.

In den vergangenen 15 Jahren hat sich die Hotelstruktur auf dem Archipel deutlich gewandelt. 1985 gab es auf den Balearen noch 237 Hotels mit 37.834 Betten der Ein-Sterne- und 174 Häuser mit 41.369 Betten der Zwei-Sterne-Kategorie. Demgegenüber standen lediglich 60 Vier-Sterne-Hotels mit 19.915 und ganze sieben Fünf-Sterne-Hotels mit 1703 Betten. Das Gros des Angebots hatte drei Sterne: 77.253 Betten in 244 Etablissements.

Im Jahr 2000 sind von der Ein-Sterne-Sorte noch 59 Hotels mit 6137 Betten, von der Zwei-Sterne-Sorte 112 mit 24.377 Betten übrig geblieben. Dafür ist die Zahl der Vier-Sterne-Betten auf 38.447 in 305 Häusern gestiegen, die der Fünf-Sterne-Betten auf 2683 in elf Häusern. Das Gros des Angebots hat nach wie vor drei Sterne: 118.594 Betten in 358 Herbergen.

Der Tourismus hat die Balearischen Inseln von einer der ärmsten zu einer der reichsten Regionen Europas gemacht. Das Bruttoinlandsprodukt lag im Jahr 2000 bei 2'348 Billionen Pesetas, pro Kopf entfallen auf jeden Insulaner genau drei Millionen Pesetas (35.265 Mark).

Das durchschnittliche Monatseinkommen lag im Jahr 2000 bei 206.489 Pesetas. Auf dem Bau gab es 185.837 Pesetas zu holen, in der Industrie 195.747 und im Dienstleistungsgewerbe 212.633 Pesetas. So konnte sich der durchschnittliche Insulaner im vorigen Jahr Ausgaben in Höhe von 1.191.515 Pesetas leisten, seine spanischen Landsleute kamen auf 1.046.133 Pesetas.

Auf dem Archipel ging mit 347.968 Pesetas (Spanien: 294.904) der größte Batzen für Wohnung, Wasser, Strom und andere Brennstoffe drauf. An zweiter Stelle folgen Lebensmittel und Nicht-alkoholische Getränke mit 190.956, genau 940 Pesetas mehr als im Landesdurchschnitt. Danach kommen Transport mit 164.867 Pesetas, Hotels, Cafés und Restaurants mit 107.571 Pesetas und 79.749 Pesetas für Kleidung und Schuhe. Diese Zahlen stammen aus einer Umfrage nach den Budgets der Familien. Danach hauen Balearen-Bürger 29.318 Pesetas für Alkohol, Tabak und Drogen auf den Kopf, knapp 4000 Pesetas mehr als ihre Landsleute.

Verdient wird das Geld im wesentlichen im Dienstleistungssektor (zu dem das Hotel– und Restaurantgewerbe zählt), in dem 72 Prozent aller Beschäftigten auf der Inselgruppe tätig sind (Grafik S. 19). In Spanien verdienen nur 62 Prozent aller Beschäftigen in diesem Sektor ihrem Lebensunterhalt. Auf den Balearen finden ansonsten 14 Prozent im Baugewerbe Lohn und Brot (Spanien: 11 Prozent), in der Industrie zehn Prozent (20 Prozent) und in der Landwirtschaft zwei Prozent (sieben Prozent). Insgesamt waren im Jahr 2000 auf den Balearen 339.928 Menschen beschäftigt, davon 143.440 Frauen.

Der Bauernstand hat hier anscheinend keine große Zukunft: 1535 der lediglich 6253 Beschäftigten sind bereits älter als 55, im Jahr 2000 war kein einziger in dem Sektor jünger als 20, nur 203 waren zwischen 20 und 24 Jahre alt. Die Anbaufläche ist denn auch von 1995 bis 1999 um 10'92 Prozent von 214.832 auf 191.366 Hektar zurückgegangen.

Die Landwirte bauten per 1999 auf 102.144 Hektar Obst–, Oliven– und Mandel– und andere Bäume sowie Wein an. Auf 39.688 Hektar wuchsen Futtermittel, auf 32.947 Hektar ernteten die Bauern Getreide. Für Gemüseanbeu nutzten sie 7301 Hektar, ganze 100 Hektar blieben für Blumen und andere Zierpflanzen übrig.

Die Züchter unter den Bauern führten 1999 insgesamt 13.458 Rinder mit einem Gesamtgewicht von 3351 Tonnen, 141.870 Schafe (1491 Tonnen), 5393 Ziegen (35 Tonnen), 176.593 Schweine (6264 Tonnen) und 3'406 Millionen Stück Federvieh (6613 Tonnen) zur Schlachtbank. Außerdem mussten 135 Pferde (29 Tonnen) und 47 Maultiere und Esel (sieben Tonnen) dran glauben.

Die balearischen Fischer holten 1999 Fisch im Gesamtgewicht von 2'82 Millionen Kilogramm aus dem Mittelmeer, erlösten dafür gut eine Milliarde Pesetas. Dazu fingen sie 356.877 Kilo Krustentiere im Wert von 184'7 Millionen Pesetas und 291.894 Kilo Muscheln im Welt von 588'2 Millionen Pesetas.

Deutlich besser als Bauern und Fischern geht es dem Baugewerbe. Die Zahl der Baugenehmigungen spricht Bände: Genehmigten die Behörden 1995 balearenweit noch 7051 Neubauten (5295 auf Mallorca), waren es im Jahr 2000 insgesamt 10.515, davon 8297 auf Mallorca.

Exportiert wurden von den Balearen im Jahr 2000 Waren im Gesamtwert von 1'047 Milliarden Euro; eingeführt wurden Waren im Gesamtwert von 1'76 Milliarden Euro. Am meisten wurde mit 183'7 Milliarden Euro in die USA exportiert (siehe Grafik S. 19), gefolgt von Großbritannien (116'8) und Deutschland (104 Milliarden Euro).

Auffällig: die Ausfuhren in Länder wie die Cayman-Inseln (57'7 Milliarden), Jungfrauen-Inseln (28'9), Gibraltar (9'6) oder die Bahamas (9'6 Milliarden Euro). Es handelt sich um bekannte Steuerparadiese, in denen viele Briefkastenfirmen angesiedelt sind. Insgesamt summieren sich diese Exporte auf einen Betrag, die das Niveau der Ausfuhren nach Deutschland übersteigt.

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