Der Euro kann kommen

Mallorca ist bereit

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Mit Riesen-Schritten nähert sich die europäische Einheitswährung. Auch auf Mallorca stehen alle Zeichen auf Euro. Dabei zeigen sich die Unternehmen und Menschen auf der Insel gut auf das neue Geld vorbereitet.

Wie Ramón Calafat, bei der balearischen Sparkasse Sa Nostra für die Umstellung auf den Euro zuständig, erklärt, „haben die großen Unternehmen bereits seit Monaten alle Maßnahmen getroffen, und auch in den kleinen Geschäften wissen Inhaber und Angestellte Bescheid, auch wenn sie oft noch keine konkreten Schritte unternommen haben”.

In der Regel reiche es aus, die Registrierkassen auf Euro umzustellen, was bis auf wenige Ausnahmen alle Geschäftsleute zumindest bei der Herstellerfirma in Auftrag gegeben hätten. „Wir und andere Banken haben auch viel Informationsmaterial verteilt und viele Geschäftskunden direkt beraten”, so der bärtige Banker.

Ab dem 1. Dezember dürfen die spanischen Banken Euro an Geschäfte und Hotels ausgeben. So sind die Unternehmen, die sich verpflichtet haben, nur noch Euro als Wechselgeld zu geben, ab dem 1. Januar dazu in der Lage. Bei Spaniens größter Kaufhauskette El Corte Inglés, die in Palma zwei Häuser betreibt, oder Carrefour (drei Hypermärkte auf Mallorca) wird es mit Sicherheit ab diesem Datum keine Peseta mehr zurück geben.

Während Deutschland praktisch auf einen Schlag von D-Mark auf Euro umstellen will, lässt sich Spanien vom 1. Januar bis zum 28. Februar Zeit. Während dieser Spanne gelten sowohl der Euro als auch die Peseta als offizielles Zahlungsmittel. Jeder Kunde kann also bis Ende Februar getrost mit der spanischen Nationalwährung bezahlen, muss sie im Zweifel auch als Wechselgeld akzeptieren. Allerdings geht Experte Calafat davon aus, dass es schon gegen Mitte Januar praktisch kein altes Geld mehr geben wird: „Denn Pesetas werden vom ersten Tag an in den meisten Geschäften nicht mehr als Wechselgeld gegeben und aus dem Verkehr gezogen. Innerhalb kurzer Zeit haben die Kunden ihren Pesetas-Barbestand aufgebraucht.”

Vor allem, weil vor dem Dreikönigstag am 6. Januar, der Tag, an dem in Spanien traditionell die Weihnachtsgeschenke verteilt werden, am meisten ausgegeben wird, bleiben Pesetas nicht lange in der Geldbörse. „Der 5. Januar ist mit Abstand der Tag mit dem höchsten Umsatz”, ergänzt José María Ramis vom Corte Inglés.

Auch an den Bankautomaten wird es nur in Ausnahmefällen noch Pesetas-Scheine geben. Die Kreditinstitute des Landes haben sich verpflichtet, bis zum 6. Januar 85 Prozent der „Cajeros Automáticos” umgestellt zu haben, bis zum 15. sollen es 100 Prozent sein. Laut Ramón Calafat wird es an den Maschinen Scheine zu 10, 20 und 50 Euro geben, nur in einigen dürften auch 5er aus dem Schlitz kommen.

Seine Erklärung, warum die Note, die am meisten benutzt werden wird, nicht gezogen werden kann: „Die ist vom Format her zu klein, mit den anderen ist der technische Aufwand viel geringer. Der ist ohnehin viel weniger aufwendig als ursprünglich befürchtet. Calafat: „Es werden lediglich neue Geldkassetten für die neuen Formate eingelegt und neue Software aufgespielt – fertig.”

Die Unternehmen versuchen, den Kunden das Geldausgeben in der Übergangsphase so leicht wie möglich zu machen. Die modernen Computer-Registrierkassen, die schon jetzt meist die Preise in Pesetas und Euro ausdrucken, rechnen nach dem 1. Januar auf Knopfdruck zwischen den beiden Währungen hin und her. Beim Corte Inglés werden die Kassierer dem Kunden die Endsumme in Euro nennen. Will der noch mit Pesetas zahlen, reicht ein Tastendruck, um den Betrag umzurechnen. Dann gibt der Kassierer diesen ein, woraufhin die Kasse das Wechselgeld in Euro ausrechnet.

Der Clou im Kaufhaus: „Vom 1. Januar bis zum 28. Februar kann man bei uns in allen Euro-Währungen bezahlen”, so Unternehmensprecher José Maria Ramis. Die DM-Bestände können Bundesbürger also auch auf Mallorca auf den Kopf hauen, und das ohne Umtauschgebühr.

Wer nicht im Corte Inglés einkaufen will und Mark in Euro tauschen will, kann dies auf Mallorca kostenlos bei der Niederlassung der spanischen Zentralbank im Carrer Bartomeu in der Altstadt tun. Und zwar bis zum 31. März. Eine Regelung, die in allen Ländern der Einheitswährung gilt. Wer also noch Pesetas vom letzten Mallorca-Urlaub in der Spardose hat, kann die bis zu jenem Tag in einer der 130 Niederlassungen der deutschen Landeszentralbanken tragen, dort gibt es gebührenfrei Euro. Einschränkung: Es werden nur Banknoten der ausländischen Währungen angenommen, keine Münzen.

Wer innerhalb Spaniens Pesetas in Euro umtauschen möchte, kann dies ebenfalls ohne Kosten und ziemlich bequem tun: Bis zum 30. Juni in allen Banken und Sparkassen. Dort kann man Münzen ebenfalls loswerden. Wer diesen Termin verpasst, hat dennoch nichts verloren. Die spanische Zentralbank nimmt Pesetas sowohl in Papier als auch in Metall ohne zeitliche Begrenzung und tauscht sie in Euro.

Neben dem Bargeld verlieren Briefmarken, deren Wert lediglich in Pesetas aufgedruckt ist, ihre Gültigkeit. Und zwar bereits am 1. Januar, wie eine Sprecherin von „Correos y Telégrafos” betont. Seit dem 1. Oktober werden Briefmarken, Postkarten und andere Wertzeichen ausgegeben, deren Wert sowohl in Pesetas als auch in Euro angegeben ist. Diese bleiben auch nach der Umstellung gültig.

Wer es nicht geschafft hat, alle Wertzeichen bis zum 31. Dezember zu verbrauchen, kann diese noch bis zum 30. Juni in jedem Postamt umtauschen. Dabei gibt es kein Geld, sondern wiederum Wertzeichen. Wer nach der sechsmonatigen Umtauschfrist noch alte Briefmarken findet, kann diese lediglich bei der philatelistischen Abteilung einwechseln. Massiver Nachteil: Diese gibt es lediglich in Madrid und Barcelona, auf dem Postwege ist der Umtausch nicht möglich.

Während auf den Balearen erst wenige Euro-Scheine angekommen sind, mit denen Unternehmen vor allem an Automaten (zum Beispiel für Parkscheine) Testläufe durchführen, sind die Transporte mit dem Hartgeld seit dem 1. September unterwegs. Vor allem logistisch ist der Aufwand groß: Allein Sa Nostra erwartet 9.341.750 Geldstücke, die in 869 sogenannten UMA angeliefert werden. In jeder Transporteinheit sind je 4000 Münzen à 1, 2, 5, 10, 20 und 50 Cent, dazu je 1000 Ein– und Zwei-Euro-Stücke.

Darüber hinaus enthält eine UMA 250 sogenannte Starter-Kits für die Bevölkerung, die in Spanien „Euro-Monederos” heißen. Die kann jeder Bürger ab dem 15. Dezember in den Banken erhalten. Für 2000 Pesetas gibt es genau 12'02 Euro, gestückelt in Münzen zu einem Cents (vier Stück), zwei Cent (neun), fünf und zehn Cent (je sechs), zehn und zwanzig Cent (je sieben) sowie ein und zwei Euro (je zwei Stücke). Zusammen 43 Münzen, mit denen man sich 14 Tage anfreunden kann, bevor sie am 1. Januar 2002 als Zahlungsmittel dienen.

Insgesamt werden auf den Balearen vor dem 1. Januar Euro im Nennwert von etwa 180 Millionen emittiert, davon 85 Prozent als Schein, 15 Prozent als Münze. Gewicht: knapp 530 Tonnen, die aus Sicherheitsgründen in der Regel per Flugzeug kommen. Informationen fließen in dieser Hinsicht sehr spärlich, um Räubern erst gar keine Ideen zu liefern. Nach Calafats Schätzung dürften kurz nach der Umstellung auf den Balearen ungefähr 350 Millionen Euro als Bargeld in Umlauf sein.

Für viele Bürger gilt die Hauptsorge der Sicherheit. Vor allem die Angst vor Falschgeld geht um. Für den Euro-Spezialisten Ramón Calafat von Sa Nostra völlig unbegründet: „Es gibt eine ganze Reihe von Sicherheitsmerkmalen, die es auch Otto Normalverbraucher leicht machen, eine Blüte zu entdecken. Allein das Papier fühlt sich so besonders an, das lässt sich nicht leicht fälschen”. Er spricht aus Erfahrung, gehört er doch zu den wenigen Menschen, die eine der neuen Noten anfassen konnten. Sein Tipp: „Holen Sie sich die ersten Euro-Scheine gleich am 2. Januar in der Bank, da sind sie mit Sicherheit echt. Wer einmal einen echten Schein in der Hand hatte, lässt sich nur sehr schwer täuschen.”

Eine andere weit verbreitete Sorge ist die der verdeckten Preiserhöhungen. Calafat glaubt nicht daran, dass das in Spanien zu einem großen Problem wird. „Die Umrechnung ist trotz des Kurses von 166'386 Pesetas pro Euro nur scheinbar kompliziert. Man muss sich mit der Gleichung 1000 Pesetas gleich sechs Euro behelfen”, rät er. Dann dürfte Kunden schnell auffallen, ob es zu plötzlichen Verteuerungen gekommen ist.

Die vielzitierte Aufrundung auf für den Handel „bequeme” Summen erwartet er ebenfalls nicht. Ganz im Gegenteil: „500 Pesetas sind beispielsweise 3'01 Euro. Der Einfachheit halber würden dann eher drei oder 2'99 Euro kassiert werden, also sogar ein kleines bisschen weniger als bisher. Bei 70 Pesetas (0'42 Euro), 1000 Pesetas (6'01 Euro) ist das ähnlich.”

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