„Keine Vision von der Zukunft”

Der Münchner Konzernchef Stefan Schörghuber über Politik und Projekte auf Mallorca

MM: Herr Schörghuber, Ihnen gehören auf Mallorca zwei Golfplätze, einen weiteren wollen Sie anlegen lassen. Spielen Sie eigentlich selbst Golf??
Schörghuber: Ich? Um Gottes Willen.

MM: Warum nicht?
Schörghuber: Erstens habe ich keine Zeit für Golf und zweitens andere Interessen. Aber ich verstehe die Menschen, die Spaß am Golf haben.

MM: Spaß am Golf haben die Gäste Ihrer Hotels auf Mallorca derzeit auf dem Platz Son Vida nicht – der ist nämlich wegen Renovierung geschlossen. Bis wann?
Schörghuber: Das Wetter entscheidet, wie schnell die neuen Fairways und Greens bespielbar sind. Den vorgesehenen Wiedereröffnungstermin zum Jahreswechsel werden wir wohl nicht halten können. Ich rechne mit einem Termin im Frühjahr.

MM: Gerade auch Golfer sollen in Ihrem Hotel Mardavall in Palmanova wohnen, das diese Zeitung vor zwei Wochen ausführlich vorstellte. Es handelt sich offenbar um Ihr ehrgeizigstes und anspruchsvollstes Hotelprojekt.
Schörghuber: Ganz sicher das anspruchsvollste.

MM: Kostenpunkt?
Schörghuber: Alles in allem 150 Millionen Mark.

MM: Ihr Statthalter in Palma, Peter Tschirky, erfand für das Mardavall eine Kategorie, die es gar nicht gibt: sechs Sterne.
Schörghuber: Fünf oder sechs Sterne – das ist relativ. Ich sage: Es wird Top-Top-Luxus geben mit au-ßergewöhnlicher Dienstleistung.

MM: Das beste Hotel auf Mallorca? Oder gar in Spanien?
Schörghuber: Eindeutig das beste in Spanien.

MM: Wann wird es eröffnet?
Schörghuber: Anfang April nächsten Jahres.

MM: Planen Sie weitere Hotels auf Mallorca?
Schörghuber: Es wird sicher ein bis zwei Jahre dauern, das Mardavall im Markt richtig zu positionieren. In dieser Zeit noch etwas anderes in Angriff zu nehmen, ist schwer vorstellbar.

MM: Ein Hotel an Ihrem Golfplatz Son Muntaner wurde Ihnen seinerzeit nicht genehmigt. Ist dieses Projekt endgültig gestorben?
Schörghuber: Nein. Wir hoffen auf die Möglichkeit, zeitversetzt dieses Hotel noch realisieren zu können.

MM: Was hat für Sie Vorrang – dieses Hotel oder der geplante dritte Golfplatz auf dem Gelände der Finca Son Quint neben Son Vida?
Schörghuber: Das kann ich so nicht beantworten. Für uns wäre ein dritter Golfplatz wünschenswert, damit im Norden Palmas ein echtes Golf-Resort entsteht. Mit unterschiedlicher Angebotspalette für Anfänger oder Profis, mit Golfakademie und Turnieren.

MM: Wie stehen die Chancen für die Genehmigung der dritten Anlage?
Schörghuber: Das kann man heute nicht absehen.

MM: Wo liegt denn das Problem?
Schörghuber: Wir müssen uns vor allem mit den Anliegern einigen, die massive Einsprüche erhoben haben.

MM: Gegen den Golfplatz?
Schörghuber: Nein, gegen die damit verbundene zusätzliche Bebauung in an Son Rapinya angrenzenden Gebieten. Wir werden unsere Planung verändern; dann wird der Golfplatz die besten Chancen haben.

MM: Die derzeitigen Regierungen der Balearen und Mallorcas sind Bauprojekten und damit auch Ihren Projekten nicht besonders gewogen. Wünschen Sie sich andere Politiker in der Verantwortung?
Schörghuber: Wir haben wenig direkte Probleme mit dieser Regierung, wohl vor allem deshalb, weil wir uns um den Qualitätssektor kümmern und nicht um den Massentourismus.

MM: Aber Sie haben Probleme.
Schörghuber: Diese Regierung hat keine klare Vision von Mallorcas Zukunft. Die Informationen, die bekannt werden, ergeben kein ganzheitliches Bild. Diese Regierung ist kaum bereit zur Kommunikation, wir wissen einfach nicht, wo sie hin will.

MM: Sind Mallorcas Politiker unprofessionell?
Schörghuber: Viele Themen sind so umfangreich und haben so langfristige Auswirkungen, dass über ihre Bedeutung oder den richtigen Weg ausgiebig diskutiert werden müsste. Aber einen solchen fachlichen Meinungsaustausch gibt es einfach nicht.

MM: Welchen Politiker würden Sie am liebsten auf den Mond schießen?
Schörghuber: Darauf habe ich keine Antwort, weil ich zu wenige persönliche Kontakte habe, um die einzelnen bewerten zu können. Aber ich denke, dass einige Politiker in ihren jeweiligen Fachgebieten Fehler machen, so dass das Gesamtheitliche ein Problem darstellt.

MM: Wünschen Sie sich die frühere konservative Regierung zurück?
Schörghuber: Wichtiger wäre, dass in einigen Fachgebieten mehr Wert auf professionelle Arbeit gelegt wird. Hier liegt das größte Problem.

MM: Wirkt sich diese Inkompetenz auf das Investitionsklima aus?
Schörghuber: Ganz eindeutig. So wie die Regierung agiert, so wie es verbal ankommt, hat man nicht das Gefühl, als Investor willkommen zu sein.

MM: Stellen Sie angesichts dieser Erkenntnis Projekte zurück?
Schörghuber: Nein, laufende Projekte werden ausgeführt. Neue Projekte würden wir derzeit aber nur sehr vorsichtig angehen, weil einfach nicht klar ist, wo es mit der Insel hingeht.

MM: Wo sollte es denn mit der Insel hingehen?
Schörghuber: Unsere Philosophie war immer, dass die Insel Richtung Qualitätstourismus gehen muss. Dafür fehlen aber nach wie vor Rahmenbedingungen, die die Politik uns setzen muss, inbesondere hinsichtlich der Infrastruktur.

MM: Woran denken Sie?
Schörghuber: Vor gut zehn Jahren wurde damit begonnen – damals ging es um Autobahnbau, Sauberkeit der Strände oder Altstadtsanierung. Jetzt müsste ein gesamtheitliches Konzept her, wie es mit Mallorca weitergehen soll.

MM: Voll auf den Qualitätstourismus setzen?
Schörghuber: Ja. Allein schon deshalb, weil die Infrastrukturkosten besonders durch die Insellage so hoch werden, dass nur Qualitätstourismus in Frage kommt. Wir sind jederzeit bereit, uns an kreativen Lösungen bei Umwelt- und Wasserproblemen zu beteiligen.

MM: Demnach ist die Politik der Balearen-Regierung richtig, den Billigtourismus abzuschaffen und nicht mehr so viele, dafür aber zahlungskräftige Urlauber nach Mallorca zu holen?
Schörghuber: Grundsätzlich ist es richtig, die Anzahl der Touristen zu Lasten der Billighotels zu reduzieren. Allerdings muss dann auch das Angebot für den gehobeneren Tourismus verbessert werden, zum Beispiel durch mehr Golfplätze. Auch hier wird das Fehlen eines gesamtheitlichen Konzepts sichtbar.

MM: Wie wirkt sich die gegenwärtige Weltlage auf Ihre Unternehmenspolitik – auch hinsichtlich Mallorcas – aus?
Schörghuber: Wie sich die Ereignisse der letzten Tage und Wochen auf unsere Unternehmensgruppe auswirken werden, lässt sich noch nicht beantworten. Allgemein scheint mir die wirtschaftliche Lage aber, von einer leichten Delle abgesehen, nicht gefährdet. Mallorcas nähere Zukunft sehe ich positiv, weil Touristen andere Destinationen meiden und sich verstärkt Mallorca zuwenden werden.

Mit Stefan Schörghuber sprach Wolfram Seifert

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