„Ohne die Biergärten stirbt Arenal”

Stadt will keine Billig-Touristen und deshalb hart gegen Lärm durchgreifen

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Partystimmung mit Antonia im Mega-Park.

José legt Platten auf, die Bedienung spricht spansich, aber sonst ist hier alles deutsch. Das Bier, die Semmel, Udo Jürgens aus dem Lautsprecher und die Gäste.

Ortsbesuch im ,,Cocos”, einem Biergarten in der Schinkenstraße. Daneben das ,,Pancho Chips”, gegenüber das ,,Bamboleo”. Eigentlich heißt diese Straße Padre Bartolome Salvá. Sie ist eine der vielen Sträßchen, die die Strandpromenade und die Durchfahrtsstraße an der Playa de Palma verbinden. Besucher, die an Bier und Rotwein nippen, in die Sonne blinzeln und andere Touristen bestaunen, finden sich hier schon am frühen Nachmittag ein.

Die Leute kommen gern hierher. Vor allem wegen der Musik, die jahrelang bis in die frühen Morgenstunden gespielt wurde. Doch in diesem Sommer soll es den Biergärten endgültig an den Kragen gehen. In einer gemeinsamen Aktion der Stadtverwaltung Palma, der Hoteliers und der Nachbarvereine der Playa de Palma sollen die nächtlichen Spaß- und Trinkerlebnisse ausgebremst, die Musik abgestellt werden.

,,Wir wollen die Biergärten nicht”, sagt Maria Crespo, stellvertretende Bürgermeisterin von Palma gegenüber dem Mallorca Magazin. ,,Wir haben nichts gegen Leute, die sich hier amüsieren. Aber gegen Touristen, die nur kommen, um sich zu betrinken, und dann nachts Krawall machen. Wir wollen mehr Qualität an der Palma de Playa. Deshalb werden wir in diesem Sommer hart durchgreifen.”

Konkret bedeuted das: Wer draußen nicht um Punkt 24 Uhr die Musik abdreht, der muss mit saftigen Strafen rechnen, mit Lokalschließung bis zu einer Woche und schließlich mit Lizenzentzug.

Julian Oliver ist stinkesauer. Der Mallorquiner besitzt drei Biergärten in der Schinkenstraße. Auch das ,,Cocos”. ,,Wir spüren seit Anfang Mai die rigide Gangart”, sagt er. ,,Die Polizei kommt pünktlich, und wir müssen die Musik abdrehen. Das ist für die Gäste wie ein Schlag in den Magen. Brutal und gegen jede Ferienstimmung.”

Bereits im letzten Jahr musste der Gastronom wie viele seiner Kollegen saftige Strafen zahlen. Von Mai bis Ende August 15 Millionen Pesetas. ,,Es ist doch verrückt, dass man ausgerechnet dort den Bierhahn zudreht, wo jahrzehntelang eine ganze Region von den Touristen hier bei uns gelebt hat”, sagt er. ,,An den Biergärten haben doch nicht nur die Besucher ihre Freude, von den Erträgen dieser Gastronomie leben viele Familien.”

In einem ersten Schritt haben sich die Besitzer der Biergärten nun zusammengeschlossen, um sich gegen das Vorgehen der Stadtverwaltung, der Hoteliers und der Nachbarn an der Playa de Palma zu wehren. ,,Wir werden ja regelmäßig ausgeschlossen, wenn sich diese Leute treffen, um über die Probleme der Playa de Palma zu sprechen”, sagt er. ,,Dabei wollen auch wir, dass es im Einvernehmen zu einer Lösung kommt.”

Julian Oliver und seine Kollegen haben deshalb Maria Crespo einen Kompromiss vorgeschlagen. Danach sollte den Biergärten erlaubt sein, in der Zeit von Mai bis Mitte Juni und von September bis Mitte Oktober die Musik bis 1.30 Uhr zu spielen. Danach könnte alle halbe Stunde die Lautstärke reduziert werden. Oliver: ,,Nur so können sich auch die Touristen damit anfreunden.”

Noch hat die Stadtverwaltung von Palma auf den Vorschlag nicht reagiert. Oliver: ,,Auf keinen Fall werden wir so leicht aufgeben. Notfalls schöpfen wir alle rechtlichen Mittel aus. Das hätten wir schon machen müssen, als die Frühschoppen wegen Ruhebelästigung eingestellt werden mussten. Wenn jetzt die Biergärten sterben, dann stirbt auch Arenal. Und wenn dann die wirtschaftlichen Einbußen spürbar werden und das Gejammere losgeht, ist es schon zu spät.”

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