Die Glosse

Ein paar Worte und der gute Wille genügen / VON GABRIELE KUNZE

Mallorca wird zu Ostern ziemlich voll. Tausende von Urlaubern nutzen die Feiertage für einen Trip auf die Insel. Und die Zweithausbesitzer kommen sowieso. Was sind ihre Beweggründe? Das Haus, das Wetter, die Freunde? Womit meist die deutschen Freunde gemeint sind. Meine Agenda zeigt es deutlich. Eine Vernissage jagt die andere. Es sind fast ausschließlich Ausstellungseröffnungen deutscher Galerien. Deren spanische Kollegen haben das schon hinter sich. Vor Ostern, an Arbeitstagen. Während der Feiertage machen sie Urlaub. Oder verbringen sie mit der Familie.

Bleiben also die deutschen Galeristen mit ihren deutschen Künstlern und dem deutschen Publikum unter sich?

Im Jahr 1750 bezeichnete der Göttiger Geschichtsprofessor Johann David Köhler das Reisen als eine ,,fast epidemische Seuche”.

Die Folge dieser ,,Seuche” ist nicht nur auf Mallorca offensichtlich. Die ehemaligen Reisenden – um nicht von Touristen zu sprechen, obwohl der erfahrendste Insider seine Mallorca–Laufbahn als Tourist begonnen hat – möchten sich für länger in ihrem einstigen Urlaubsziel niederlassen. Manche wollen auch für immer bleiben. In diesem Zusammenhang ist von Gastland die Rede. Das Wort ,,Gast” hat verschiedene Ursprünge: das lateinische ,,Hostis”, das auch ,,Feind und Gegner” bedeutet”, aber auch das slawische ,,Ghosti” = ,,Fremdling”.

Von der ,,Denomincación de Illustre Visitante” sprach einmal der Journalist Llorenc Capellà. Er nannte Beispiele von Menschen, die nicht nur auf der Insel ansässig waren, sondern auch etwas beigesteuert hatten. Gleichgültig auf welchem Gebiet, die nicht nur das Klima, die Landschaft und das viel gerühmte Ambiente genossen hatten.

Alle haben eines gemeinsam: Sie haben sich die Fremde vertraut gemacht. Durch Austausch – verbalen Austausch. Denn wer sich nicht verständlich machen kann, wird immer außen vor bleiben. Wobei auf Mallorca erfahrungsgemäß ein paar Worte und der gute Wille genügen.

Ein irisches Sprichwort sagt: ,,Ein Fremder ist ein Freund, den man noch nicht kennt.” Warum, frage ich mich, gehen die Menschen bloß ,,in die Fremde”, wenn sie keine neuen Freunde gewinnen wollen. Der Flug nach Mallorca, so kurz er auch ist, ist immer noch eine Reise in ein anderes Land. Und der Weg vom Airport ins eigene Domizil, zu den vertrauten (deutschen) Freunden, führt meist quer über die Insel.

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