Gier

Über Mondpreise bei Immobilien / VON WOLFRAM SEIFERT

Ein Kunde interessiert sich für den Kauf von Büroräumen in Palma. Der Makler beschreibt das 400-Quadratmeter-Objekt in bester Lage ausführlich, aber druckst herum, als er den Preis nennen soll.

,,Sitzen Sie?” fragt er den ihm wohlbekannten und darob nicht verdutzten Kunden. Und er erklärt, dass das angebotene Objekt gestern noch 240 Millionen Pesetas gekostet habe, dass der Eigentümer ihm soeben jedoch einen neuen Preis genannt habe: 320 Millionen Pesetas (3'76 Millionen Mark).

Caramba: Das ist ein Unterschied von 80 Millionen Pesetas oder knapp 950.000 Mark. Und der Quadratmeterpreis von 9400 Mark würde den Zentren europäïscher Metropolen Ehre machen.

Ein krasses, doch bezeichnendes Beispiel für die Possen und Tragikomödien, die derzeit auf der mallorquinischen Immobilienbühne gegeben werden. (Oder soll man eher von Wirtschaftskrimis sprechen?)

Der Bär ist los: Es wird ausgereizt bis zum Letzten, herausgeholt, was herausgeholt werden kann. Seriöse Makler wie der oben erwähnte raufen sich ob der unsinnigen, total unrealistischen Forderungen die Haare.

Es scheint, als ob sich 2001 Schleusen geöffnet haben: Schleusen der Gier.

Vor allem, wenn es sich um deutsche Interessenten handelt. Deutsche, so unterstellen die (meist mallorquinischen) Verkäufer gerne, schwimmen wie Dagobert Duck im Geld, besser gesagt: im Schwarzgeld.

Denn im nächsten Jahr, so die Überlegung, wird der Euro überall in Europa offizielles Zahlungsmittel. Schwarzgeld muss, so glauben viele Verkäufer (und viele Käufer bestätigen dies durch ihre Flucht in Mallorca-Immobilien), vorher untergebracht werden – koste es, was es wolle.

Dies schafft nicht nur Nachfrage, sondern auch Angebot. Verkäufer wittern das Geschäft ihres Lebens. Mondpreise überschwemmen den Markt.

Aber sie regieren ihn nicht. Zwar ist das allgemeine Preisniveau bei Immobilien in den letzten Monaten und Jahren kräftig gestiegen. Aber nicht uferlos: Der Markt reguliert sich selbst.

Wer, siehe oben, von einem Tag auf den anderen für ein Objekt fast eine Million Mark mehr verlangt, bleibt verdientermaßen darauf sitzen. Hoffentlich viele lange Jahre lang.

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