Die Glosse

Auch die letzte Reise war ein Urlaub / VON GABRIELE KUNZE

Wir alle haben Urlaub. Zumindest von Zeit zu Zeit. Oder wir fahren in Urlaub. Leider auch nur gelegentlich, aber immerhin. Wir verbinden damit ,,die schönsten Wochen des Jahres”, die ,,wir uns verdient haben”. Dabei bedeutet das Wort ,,Urlaub” ursprünglich nur ,,Erlaubnis”. In der höfischen Sprache des Mittelalters bezeichnete es die Erlaubnis, wegzugehen, die ein Höherstehender oder eine Dame dem Ritter geben konnte. Zog ein Ritter weiter zur nächsten Burg, nahm der ,,Urlaub”...

In neuerer Zeit bezeichnet ,,Urlaub” die vorübergehende Freistellung von einem Dienstverhältnis. Ein ,,Urlauber” war also z.B. ein vom Militärdienst Freigestellter. Seit dem 19. Jahrhundert kennt man den Begriff von ,,beurlauben” im Sinne von ,,Urlaub gewähren”. Das Verb ,,urlauben” ist in unserer Zeit weitgehend untergegangen.

,,Urlaub” bedeutet aber auch Weggang, Trennung, Entfernung. In einem Volkslied von Ludwig Uhland heißt es: ,,Winter! Du musst Urlaub han!” Da die Förmlichkeit des Abschiednehmens in der Gesellschaft alter Zeit eine große Rolle spielte, sind Ausdrücke entstanden, in denen diese Pflicht betont und ihre Verletzung gerügt wird: ,,Sobald der raue Winter anklopfet, nehmen die Schwalben Urlaub hinter der Tür und verlassen nichts als ein beschmutztes Nest”.

Heute sagt man im Sterbefall: ,,Er nahm Abschied von der Welt.” In früheren Zeiten war auch das ,,Urlaub”. ,,Im nämlichen Jahr beurlaubte zu S. die verwitwete Frau Landgräfin die Welt” (um 1700, aus dem Grimmschen Wörterbuch). In Österreich sagt man heute noch auf dem Lande: ,,Einem die Urlaubslieder singen”. So heißen die Lieder, die gesungen wurden, nachdem die Leiche ins Grab gesenkt wurde.

Das Wort ,,Ferien” gibt es im Deutschen seit dem 16. Jahrhundert. Es ist dem lateinischen ,,Feriae” (Festtage, Ruhetage) entlehnt. Aus der gleichen Wurzel kommt auch das Wort ,,Feier”.

Zunächst wurde es nur in der Rechtssprache zur Bezeichnung der Tage, an denen keine Gerichtssitzungen gehalten wurden benutzt. Im Laufe der Zeit entwickelte sich im schulischen Bereich der Gebrauch des Wortes. Doch man konnte es auch poetisch einsetzen. August von Kotzebue in einem Gedicht: ,,Von liederlichen Thränen gibt's nun Ferien.”

Und wir? Wir haben Ferien. Oder Urlaub. Dann fahren wir nach Mallorca. Ohne ,,liederliche Thränen”.

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