Schade(n)

BSE: Vertrauen ist dahin / VON GABRIELE KÜSTER

Es kam, wie es zu erwarten war: Auch die Balearen reihen sich in die Regionen ein, wo BSE auf einmal nicht mehr nur das Problem der anderen ist. Die vorher geäußerten vollmundigen Versicherungen von Politikern und Bauern, auf den Inseln sei man vor dem Rinderwahnsinn relativ sicher, haben nichts genutzt. Eher Schaden angerichtet, weil sie das Vertrauen der Verbraucher in die Glaubwürdigkeit der Fleischerzeuger zu Recht erschüttert haben.

Umso absurder erscheint die Forderung mancher Bauernverbände, es anderen Regionen gleichzutun, die vorsorglich alle älteren Tiere aus dem Verkehr ziehen, um die Anwendung von BSE-Tests zu umgehen. Wer wie die Balearen die Produkte von der Insel mit einer Garantie für Frische und Qualität vermarkten will, muss auf rückhaltlose Aufklärung drängen, wie es die hiesigen Behörden zum Glück auch tun.

Ob der erste Verdachtsfall nun tatsächlich bestätigt wird oder nicht, und ob weitere BSE-Fälle auftauchen, ist im Prinzip nebensächlich. Wichtig ist, dass aus der BSE-Krise Konsequenzen gezogen werden. Nicht nur, was die Produktion von Rindfleisch anbelangt. Zu lange haben die Politiker nicht nur in Spanien, sondern auch in anderen europäischen Ländern die Augen vor möglichen Gefahren für den Verbraucher verschlossen, obwohl Wissenschaftler schon seit Jahren darauf hingewiesen haben. Man muss davon ausgehen, dass wirtschaftliche Interessen bei Entscheidungen stärker ins Gewicht gefallen sind als die der Verbraucher.

Derzeit zeigt sich auf Mallorca, dass die Konsumenten bereit sind, für bessere und gesündere Lebensmittel auch tiefer in die Tasche zu greifen. Noch nie war zum Beispiel der Run auf die Bio-Läden so groß wie heute. Und auch die Lebensmittelerzeuger denken verstärkt an eine Umstellung ihrer Betriebe als letzten Ausweg aus der Krise.

Mit der punktuellen Ausweitung der ökologischen Landwirtschaft alleine ist es allerdings nicht getan. Die BSE-Krise lehrt, dass die Produktion gesunder Nahrungsmittel kein lokales, sondern ein europäisches oder sogar globales Problem ist. Vor den Folgen von Umweltverschmutzung und den Problemen, die die Einführung neuer Technologien mit sich bringen, ist man auch auf einer Insel nicht sicher. Da sind einheitliche Regelungen und Kontrollen gefragt.

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