Die Glosse

Europa ist eine schwierige Angelegenheit / VON GABRIELE KUNZE

Es gibt ausländische Residenten auf Mallorca, die behaupten, man müsse unbedingt Mallorquín lernen. Nur so könne man sich integrieren. Manche lassen ihren Reden Taten folgen und lernen die hiesige Landessprache. Andere wiederum erklären, zwei Sprachen – Castellano und Mallorquín – zu lernen, sei nicht zumutbar. Sie bleiben bei ihren spanischen Sprachkenntnissen. Leute, die praktisch denken, erklären, dass schließlich nur neun Millionen Menschen weltweit Catalán oder Mallorquín sprechen, und dass es sich nicht lohne, das Idiom zu lernen. Dem gegenüber steht die Zahl von fünf Millionen Dänen. Angenommen, jemand wählt seinen festen Wohnsitz in Dänemark – er würde mit Sicherheit Dänisch lernen.

Die offizielle mallorquinische Lesart ist, dass jeder, der sich auf der Insel niederlässt, unbedingt Mallorquín sprechen sollte. Eine Einigung in diesem Streitpunkt ist nicht abzusehen. Inselvölker sind anders, gleichgültig, ob die Insel groß oder klein sind.

Die britischen Inseln sind vergleichsweise groß. Doch die dortigen Inselbewohner halten an althergebrachten Traditionen und Eigenheiten ganz besonders fest. Vor allem, wenn es um den europä- ischen Gedanken geht. Noch immer spricht man von ,,the continent” und meint die anderen europäischen Länder, so wie man auf Mallorca von der ,,peninsula” spricht und das spanische Festland meint.

Besonders schwierig scheinen Inselbewohnern die Maßeinheiten zu sein. Bei Grundstückskäufen auf dem Land sprechen ältere Mallorquiner grundsätzlich von ,,Cuarteradas”, einer Maßeinheit, die 7437 Quadratmetern entspricht. Längen in Räumen werden oft immer noch in „Palms”, einer Handbreit, gemessen.

Doch es geht alles friedlich vor sich, und niemand ist von Geldstrafen bedroht wie kürzlich in Südengland. Dort verkaufte Steve Thoburn in seinem Gemüseladen Bananen per ,,Pound” (448 Gramm) statt per Kilo. Dafür wurde er nun vor Gericht gezerrt. Er möge, so hieß es, der europäischen Norm genügen. Er würde gerne, sagte er, nur niemand frage nach einem Kilo seiner Ware, alle nach ,,two pounds”. Der Unterschied beträgt genau 14 Gramm. Wie soll er dafür seine Preise erhöhen?

Angenommen, Thoburn verkauft täglich 1000 Kilo Ware nach der europäischen Norm, so müsste er 14 Kilo verschenken. Tut er das nicht, muss er eine 500 Pfund Sterling Strafe zahlen. Europa ist eine schwierige Angelegenheit.

Kommentar

Nutzungsbestimmungen

Rechtlicher Hinweis

» Der Inhalt der Kommentare spiegelt die Meinung der Nutzer wider, nicht die von mallorcamagazin.com

» Es ist nicht erlaubt, Kommentare abzuschicken, die gegen das Gesetz verstoßen oder unangebrachte, beleidigende oder ehrverletzende Inhalte haben.

» mallorcamagazin.com behält es sich vor, unangemessene Kommentare zu löschen.

* Pflichtfelder

Noch kein Kommentar vorhanden.