Der neue Körperkult: Konditionsaufbau statt Krafttraining

Wie die ,,Gimnasios” der Insel die letzten Sportmuffel hinterm Ofen vorlocken

Schlafen, essen, arbeiten – da war doch noch was? Stimmt: sporteln. Für immer mehr Menschen gehört das regelmäßige Fitnessprogramm ganz selbstverständlich zum Alltag. Wer einmal damit angefangen hat, sagen eingefleischte Sportfreaks, will gar nicht mehr damit aufhören. Denn schließlich macht körperliche Anstrengung nicht nur schön und schlank, sondern obendrein entspannt und glücklich, wie Wissenschaftler längst herausgefunden haben.

Golfen, alle Arten von Wassersport, laufen, radeln, wandern: Die Liste der Sportarten, die auf Mallorca dank des Klimas und der landschaftlichen Gegebenheiten ausgeübt werden können, ist lang. Mit der Herbstsaison beginnt außerdem jedes Jahr der Run auf die Fitnessstudios. Nachdem die Balearen in Sachen Körperkult jahrelang dem allgemeinen Boom hinterherhechelten, haben sie inzwischen tüchtig aufgeholt. In jedem größeren Ort gibt es mittlerweile ein oder sogar mehrere ,,gimnasios”. Das Gros sitzt in Palma.

Mit den Marterkellern für Muskelprotze von einst haben die modernen Fit– nessstudios von heute nur noch wenig zu tun: Die Body-Building-Abteilungen sind mehr und mehr technisch aufwendigen Cardio-Geräten gewichen, das Krafttraining dem Konditionsaufbau und der Stärkung des Herz-Kreislauf-Systems.

Wie sehr der neue Körperkult verbreitet ist, zeigt sich derzeit am Beispiel des ,,Mega Sport Centers” in Palma, das am Donnerstag in Betrieb genommen wurde (siehe S. 6). In wenigen Wochen meldeten sich dort 3000 Menschen an: Mallorca im Fitness-Fieber. Der Mega-Sporttempel bringt nicht nur seine eigenen Kunden auf Trab, sondern die ganze Szene in Bewegung. Die bestehenden Studios spüren die Konkurrenz, einige haben längst mit der Aufrüstung ihrer Einrichtung reagiert. Beim Fitnessstudio Esther Vidal beispielweise standen die Kunden bislang zu Tausenden (!) jahrelang Schlange. Jetzt sei die Warteliste von 2300 Menschen auf 920 Leute geschrumpft.

Der Run auf das Neueste, Beste, Modernste ist charakteristisch für die anspruchsvollen Freizeitturner. Mit ein wenig Aerobic und Gewichtestemmen lässt sich heute kaum noch einer hinterm Ofen vorlocken. Jedes Jahr müssen sich die Betreiber der Studios etwas einfallen lassen, um ihre Kunden bei der Stange zu halten. Mit High-Tech-Geräten und fantasievollen Kreationen neuer Trainingsmethoden bringen sie ihre Klientel auf Touren.
,,Es ist schon alles erfunden worden”, sagt Salvador Miro, ehemaliger spanischer Squash-Meister und heute Leiter des ,,Elite Club” in San Agustín. So komme es zu immer neuen Kombinationen aus bereits bekannten Disziplinen: Derzeit angesagt: ,,Spinning” (simulierter Geländelauf mit dem Rad zu Musik) und ,,Body pump” (Bewegungsübungen mit Gewichten). Erst im Sommer kam ,,Body Combat” auf den Markt: eine Kombination aus Aerobic und verschiedenen Kampfsportarten, bei dem überschüssige Energie freigesetzt wird.
,,Wem es nur um eine bessere Kondition geht, der kann auch radfahren”, sagt Rosa López, Direktorin des Gimnasio Illes bei der Jaime III in Palma. In einem Gim gehe es um mehr als nur um Sport: Zusammen zu schwitzen verbindet, schafft Bekanntschaften und auch denjenigen Flügel, die sich alleine schwer tun, ,,den Arsch hochzukriegen”. ,,Wenn die anderen deine Erfolge bemerken, das motiviert dich.” Ein paar Pfunde abnehmen zu wollen, sei sehr häufig Beweggrund, erstmals ein Fitnessstudio zu besuchen, hat Esther Vidal vom gleichnamigen Gim an der Via-Cintura-Ausfahrt Son Rapinya beobachtet. Sich im Mai vorzunehmen, bis zur Badesaison im Juli einen wohlgeformten Po anzutrainieren, sei allerdings utopisch. Erst nach sechs Monaten, pflichtet Elite-Chef Miro bei, stelle sich normalerweise ein Erfolg ein. Voraussetzung seien: mindestens drei Trainingseinheiten von je einer Stunde pro Woche, besser noch tägliches sporteln.

Einen Trost für all diejenigen, die sich bislang ziemlich gehen ließen, hat Esther Vidal parat: ,,Je älter und untrainierter der Anfänger, desto schneller zeigt sich ein Erfolg.” Zu spät, um ins Fitnessstudio einzusteigen, sei es nie.
,,Im Gegenteil”, meint die diplomierte Aerobictrainerin und Rückenschule-Leiterin Jutta Bäcker. Weil der Körper ab Dreißig abbaue, müsse man gerade dann etwas tun. Sie arbeitet auf Mallorca als ,,personal trainer” und bietet in Zusammenarbeit mit dem Arzt Dieter Uckermann spezielle Fitness-Kurse für Menschen ab 40 an. Ihre Hauptklientel sind deutsche Frauen, die alleine den Gang ins Fitnessstudio scheuen. Innerhalb von drei Monaten sollen sie soweit gebracht werden, dass sie selbstständig weitermachen. Kostenpunkt: 10.000 Pesetas pro Monat für die Trainerin (bei zwei bis drei Übungsstunden die Woche) plus Gebühren für das Fitnessstudio.

Ob persönlicher Trainer oder Fitnessstudio: Der Vorteil einer fachlichen Betreuung beim Sporteln ist, dass einer zeigt, wie man es richtig macht. ,,Viele trainieren ein halbes Jahr und fragen sich dann, warum sie trotzdem nicht abnehmen”, sagt Jutta Bäcker. Erst gezielte Trainingsprogramme führen sicher zum gewünschten Erfolg. Wenn sich der erst einmal eingestellt hat, kommt vielleicht auch bei bisherigen Fitness-Muffeln die Selbstverständlichkeit dazu, den Sport in den Tagesablauf einzubauen.

Bei der Wahl des passenden Studios kommt es auf viele Faktoren an: Auswahl der Kurse, Geräte und Zusatzangebote wie Sauna und Bäder, Qualität der Trainer, Öffnungszeiten, Ambiente, Standort, Sauberkeit. Und schließlich auf den Preis, der natürlich immer im Verhältnis zum Angebot betrachtet werden muss.

Ein paar Preisbeispiele:
Mega Sport Centre: Einschreibung bislang kostenlos, künftig 50.000 Pts., Monatsbeitrag 11.500 Pts.
Gimnasio Illes: Einschreibung 5000 Pts., Montasbeitrag 7600 Pts.
Gimnasio Esther Vidal: Einschreibung 7000 Pts., Monatsbeitrag 8350 Pts.
Elite Club: Einschreibung 5000 Pts., Monatsbeitrag 7900 Pts.
Coliseum Fitness: Einschreibung 10.000 Pts., Monatsbeitrag 9000 Pts.. Einige Fitnessstudios werben mit Aktionspreisen über den Winter. Wer etwa im Coliseum Fitness am Paseo Mallorca gleich für vier Monate bezahlt, spart sich die Einschreibegebühr.

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