Auto-Ärger

Bürokratie kontra Europa / VON BERND JOGALLA

Europa ist eine feine Sache. Vor allem für EU-Bürger, die es nicht mehr in ihrem Heimatland hält. Das freie Aufenthalts- und Arbeitsrecht in den Staaten der Union war ein Riesenfortschritt. Und selbst die Urlauber freuen sich darüber, dass sie auf der Reise von Deutschland nach Mallorca keinen Pass mehr vorzeigen müssen.

An viele dieser Dinge haben wir uns bereits so gewöhnt, dass wir sie für selbstverständlich halten. Welche Schwierigkeiten zum Beispiel die Arbeitsgenehmigung früher bereitete, können heute noch die Schweizer erzählen, deren Land bekanntlich nicht ,,Club”-Mitglied ist.

Europa ist eine feine Sache. Wenn der Teufel nicht im Detail steckte. Ein besonders anschauliches Beispiel zeigt unser Thema der Woche auf: die Ummeldung von Autos und Führerscheinen. Da merken wir schnell, dass das moderne Europa zuweilen eine Utopie ist. Oder sagen wir lieber optimistisch: ein Fernziel.

Denn die Gegenwart sieht, vorsichtig ausgedrückt, seltsam aus. Warum etwa werden hierzulande Steuern auf eine Ware (das Auto) kassiert, obwohl sie in einem anderen EU-Land schon komplett bezahlt war?

Die EU-Bürokraten mögen irgendwo eine klare Regelung bei den Ummeldungen niedergeschrieben haben, angekommen ist das zumindest auf Mallorca nicht. Die Umsetzung der EU-Richtlinien bereitet erhebliche Schwierigkeiten. Oder will sie womöglich gar niemand umsetzen?

Diesen Eindruck muss man gewinnen, wenn man bei den hiesigen Behörden genaue Auskünfte über das Procedere einholen möchte. Die Angaben sind widersprüchlich bis falsch. Und vor allem: Sie sind nicht im Sinne des Neubürgers. Das gilt insbesondere bei der bislang kaum bekannten Möglichkeit, Autos als Umzugsgut ohne Zulassungssteuer umzumelden. Die Geheimnistuerei darum kann man nur als Versuch werten, eine hübsche Einnahmequelle zu erhalten.

Und noch jemand kann sich über einen sprudelnden Geldfluss freuen: die ,,Gestorías”. Um ein Auto richtig und kostensparend umzumelden, bedarf es des Herrschaftswissens eines Spezialisten. Und die gibt es deshalb zur Genüge. So wie die Behörden hier agieren, sieht das ganz nach Arbeitsbeschaffungsprogramm für Gestoren aus.

Hoffen wir, dass Europa eines Tages doch noch ankommt. Denn Europa ist eine feine Sache.

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