Kollektive Angst vor dem leeren Tank

Treibstofflager nach 56 Stunden wieder frei

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Massive Polizeikräfte sorgten dafür, dass die Tankwagen die Depots verlassen konnten.

Eine Hundertschaft Polizei und Guardia Civil, zum Teil im Kampfanzug, war am Mittwochnachmittag aufmarschiert. Ihr Auftrag: Die Blockade des zentralen Treibstoffdepots der staatlichen Distributionsfirma Compañía Logística de Hidrocarburos (CLH) zu brechen. Rund 150 Männer hatten bis dahin das Tor für 56 Stunden besetzt gehalten, um gegen die gestiegenen Preise für Diesel zu protestieren und sie trieben Mallorca damit an den Rand des Chaos. Eine ganze Gesellschaft war in Panik geraten. In einer kollektiven Psychose drängten die Autofahrer an die Tankstellen, als die ersten Nachrichten von der Blockade am Montagabend bekannt wurden. Es kam wie es kommen musste: Die Massen von Kunden zapften in der Tat die Reserven schneller ab als notwendig. Manche Tankstellen verkauften in einer Nacht soviel wie sonst an drei Tagen. Die Hamsterkäufe ließen bei den bislang zu kurz gekommenen neue Angst vor dem Benzinmangel aufkommen, es entstand neue Panik, längere Schlangen. Mancherorts prügelten sich die Autofahrer, um bei stundenlangen Wartezeiten einen Platz in der Reihenfolge nach vorne zu rutschen. Viele ließen sich Treibstoff in Kanister oder sogar Glaskaraffen füllen. Manche Tankwarte gaben nur noch Benzin für 2000 Pesetas an jeden Kunden aus. Spätestens am Mittwoch morgen waren die Tanks unter den meisten Zapfsäulen Mallorcas leer. Der Rückstau vor den ,,Gasolineras" legte viele Straßen lahm. Die wichtige Verbindung zwischen Inca und Alcúdia war am Dienstag stundenlang dicht.

Der Druck auf Catalina Cirer, die Vertreterin der spanischen Zentralregierung auf den Balearen, wuchs. Reiseveranstalter, Handelsketten, Transportunternehmer, Autovermieter, der Unternehmerverband CAEB und viele Privatleute bestürmten sie, dem Treiben der Blockierer ein Ende zu bereiten. Auch Spaniens Außenminister Josep Piqué, zu Besuch bei PP-Parteifreunden in Palma, riet zum Durchgreifen.

In dieser Lage entschied sich Catalina Cirer für den Einsatz der Polizei. Sie gestand ein, damit die Absprachen mit den Demonstranten verletzt zu haben. Bauern und Fischer nannten sie ,,Lügnerin” und forderten ihren Rücktritt. Sie habe aber ,,für das Gesamtwohl” gehandelt, begründetete Cirer ihren Schritt, den viele schon gerne am Dienstag gesehen hätten, ehe die Insel in die Treibstoff-Krise rutschte.

Die Bauern und Fischer vor dem Treibstofflager zeigten sich von dem Aufgebot der Ordnungskräfte jedenfalls ebenso erbost wie beeindruckt und zogen kampflos ab.

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