Bierkrieg in der Schinkenstraße

Tausende Touristen protestieren gegen siebentägige Lokal-Schließung

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Mit einer Sitzblokade machten spanische Kellner und deutsche Touristen ihrem Ärger Luft.

Nach jahrelangem Streit um Kneipenlärm und Nachtruhe haben Palmas Behörden jetzt ernst gemacht: Per Dekret ließ die Stadtverwaltung am vergangenen Dienstagabend in der bekannten Schinkenstraße gleich vier Biertempel schließen. Die Freiluft-Lokale Bierkönig, Bamboleo, Cocos und Pancho Chips dürfen sieben Tage lang weder Musik spielen noch Gäste bedienen.

Die Besucher und die Belegschaft reagierten sauer. In einer spontanen Protestkundgebung blockierten rund 4000 Menschen den mitternächtlichen Verkehr, beschimpften die Polizeibeamten, setzten einen Abfallbehälter in Brand. ,,Da war richtig Party auf der Straße", beschrieb ein deutscher Tourist die Situation. Die Protestaktion gegen die behördliche Maßnahme war vermutlich die erste gemeinsame deutsch-spanische Demonstration, die die berühmt-berüchtigte Tourismus-Zone am Ballermann erlebt hat.

In der Schärfe ihres Protestes zogen Spanier und Deutsche an einem Strang, auch wenn die Forderungen Unterschiedliches beinhalteten. ,,Queremos trabajar - Wir wollen arbeiten!", skandierten rund 200 Kellner der von der Schließung betroffenen Lokale. ,,Wir wollen Bier!", lautete entsprechend der Schlachtruf der aufgebrachten Teutonen, die sich ab null Uhr auf dem Trockenen sitzen sahen. Hin und wieder waren auch Sprechchöre wie ,,Wir sind das Volk - Wir hamm das Geld!" zu hören.

Am Mittwochabend setzte sich der Protest fort. Auf einem Transparent forderten rund 200 Mitarbeiter ein Ende der ,,Diskriminierung". Zahlreiche Kamerateams waren im Einsatz. Gewalttätige Auseinandersetzungen blieben jedoch wie am Vorabend aus. Die Kellner verlieren Wochenlohn und Trinkgelder.

Seit diesem Sommer sahen sich immer mehr Wirte gezwungen, die Musik um Punkt null Uhr auszustellen. So herrschte etwa im Mega-Park oder in der Bierstraße ab Mitternacht weitgehend Ruhe. Nicht so in der Schinkenstraße. Dort liefen die Schlager in der Regel noch bis eins oder halb zwei weiter, berichteten Kellner. Bei den Behörden sollen gegen die vier Betriebe jeweils etwa 30 aktenkundige Verstöße vorliegen.

Fakt ist, dass die ansässigen Lokale die Vorschriften nicht immer einheitlich befolgten. Aus diesem Grund munkeln die Mitarbeiter der nun geschlossenen Lokale hinter vorgehaltener Hand, dass die Beschwerdenflut nicht von den Anwohnern, sondern von der Konkurrenzbetrieben ausgegangen sei, die sich strikt an das Zeitlimit hielten.

,,Warum ist denn heute zu?", fragten zahlreiche Touristen vor dem Bierkönig. Zu Tausenden reihten sich die Beine der umgedrehten Barhocker in den Nachthimmel, wo sonst über 3000 Menschen feiern und trinken. Nach der Antwort blanke Empörung: ,,Wenn die Stadt so'n Käse macht, kommen wir nächstes Jahr nicht wieder." Abseits der Schinkenstraße brummte unterdessen der Bär - bis Mitternacht.

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