Im Visier

Mallorca, das ferne Lokalthema / VON JOACHIM FAHRUN

Wenn die Polizei auf einer weit entfernten Insel gefälschte Rolex-Uhren oder nachgemachte Moschino-Rucksäcke beschlagnahmt, interessiert das die lokale Presse – und basta. Nur nicht, wenn diese Insel Mallorca heißt. Denn dann wird es ja für deutsche Urlauber schwieriger, solche Stücke auf den Märkten zu ergattern. In diesem Stil schafft eine Zeitung wie die ,,Bild” für fast jede Mallorca-Meldung einen Deutschland-Bezug. Andere halten es ähnlich.

Um in deutschen Medien aufzutauchen, muss Mallorca nichts Besonderes tun. Über die Insel wird in deutschen Medien mehr berichtet als über normale deutsche Großstädte. Kein Wunder, schließlich kennen sehr viele Deutsche die Insel besser als Bremen oder Stuttgart.

Wenn sich aber auf der beliebtesten Ferieninsel der Alemanes Krisen entwickeln, ist das Medieninteresse gewiss. Stromausfälle, Streiks, Wassersperren, feindliche Eingeborene oder raffgierige Politiker sind medial höchst attraktiv.

Es ist der Job von Journalisten, solche Themen, die Millionen interessieren, aufzugreifen und möglichst attraktiv zu präsentieren. Wenn negative Meldungen wirtschaftliche Interessen der Tourismus-Wirtschaft schädigen, so ist das noch lange kein Grund, sie nicht zu veröffentlichen. Zumal ja auch die mallorquinischen Medien sich ausgiebig über die selben Notstände ausgelassen haben, die nun in Deutschland berichtet werden.

Das Problem ist nur, dass Mallorca zwar wie ein Lokalthema behandelt wird, mögliche Fehler und Ungenauigkeiten aber nicht wie in der eigenen Stadt geahndet werden. Ein Journalist, der solch hahnebüchenden Unsinn verzapft, wie er gelegentlich über Mallorca geschrieben und gesendet wird, könnte sich auf dem eigenen Marktplatz nicht mehr sehen lassen. Und alle zu Unrecht Angegriffenen würden alles daran setzen, die Geschichte durch ihre Version der Dinge geradezurücken.

Aber wenn es darum geht, ist das ach so nahgelegene Mallorca doch wieder so weit weg wie der Kongo. Und die Balearenregierung lamentiert lieber über eine angebliche Medienkampagne, anstatt mit eigener professioneller Presseinformation ihre Sichtweise auch in Deutschland zu verbreiten. Dabei ist es mit den Medien wie mit den Touristen: Sie wollen gepflegt werden. Denn Mallorca ist nicht für alle Zeiten ein positiver Selbstläufer.

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