Erb-Last

Antich – ein Jahr nach der Wahl / Von Bernd Jogalla

Mallorca ist noch nicht im Mittelmeer versunken, und auch Palma steht noch: Selbst die ärgsten Kritiker des ,,Pacte de Progres” müssen zugeben, dass der Regierungswechsel vor knapp einem Jahr die Balearen nicht in die Katastrophe geführt hat. Auch an dieser Stelle wurde der Zukunftspakt kritisiert – denn damals wie heute mutete es seltsam an, dass eine Verliererpartei (PSOE) den Ministerpräsidenten stellt, die nur die Hälfte der Stimmen der siegreichen PP auf sich vereinigte. Aber trotz einiger Sandkörner im Getriebe – zuweilen sind*s auch Kieselsteine –, hat die aus fünf Parteien bestehende Regierung Bestand. Das gemeinsame Bedürfnis, die PP-Hegemonie zu beenden, ist immer noch größer als die schlagzeilenträchtigen Differenzen in der wenig homogenen Koalition. Und Francesc Antich hat seine Sache nicht schlecht gemacht. Er mag nicht ganz so gut ankommen wie sein eloquenterer Vorgänger Jaume Matas, aber sein Auftreten ist glaubhaft. Sein Pech: Die Meilensteine seiner Politik sind noch nicht oder kaum sichtbar. Nach der erfolgreich verkauften ,,Baubremse” gab es nur noch Meldungen über akute, nicht aber über gelöste Probleme. Dabei muss man Antich zugestehen, dass er diese großen Hürden geerbt hat: Wasser-, Energie-, Müll- und Verkehrsprobleme gibt es, weil die 16 Jahre herrschende PP auf diesen Gebieten völlig versagt hat. Antich & Co. arbeiten an nachhaltigen Lösungen, etwa integrierten Müll- und Verkehrskonzepten, müssen aber feststellen, dass das nicht von heute auf morgen geht. So wird analysiert und studiert, während aufgrund der prekären Lage schnelle Lösungen gefordert sind. Die laufen nicht selten dem eigenen Programm zuwider. Beispiel Wasser: Sparprogramme wirken langfristig, so kommt auch Antich an den ungelieben Entsalzungsanlagen nicht vorbei. Man kann es auch anders ausdrücken: Die Visionäre müssen sich mit der Realität abfinden. Und die Tourismus-Branche mit der Öko-Abgabe für Urlauber. Die Steuer wird kommen, etwas anderes kann sich Antich gar nicht leisten. Er steht bei seinen Wählern im Wort. Das Vorzeige-Projekt abzublasen, hätte verheerende Wirkungen nach innen. Wobei wir bei einem erheblichen Manko dieser Regierung wären: Die Wirkung nach außen wird zu wenig beachtet – doch von dort kommt immer noch das Geld.

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