Die Immobilienbranche auf Mallorca boomt wieder

| Mallorca |
Hochpreisige Luxusimmobilien auf Mallorca sind derzeit so gefragt wie selten zuvor.

Hochpreisige Luxusimmobilien auf Mallorca sind derzeit so gefragt wie selten zuvor.

Foto: capadriano.com

Ja, man kann durchaus behaupten, die Branche boomt wieder", sagt Jurist und Immobilienunternehmer Lutz Minkner. "Schon 2015 war ein extrem gutes Jahr für die Immobilienbranche auf Mallorca - so ziemlich das beste, seitdem wir hier auf der Insel ansässig sind - und 2016 haben wir ebenfalls durchweg positiv abgeschlossen."

Kann man also sagen, die Wirtschaftskrise ist überwunden? "Ja", meint Minkner, "und das bereits seit 2013." Die Nachfrage nach Luxus-Immobilien auf der Insel sei groß wie selten zuvor. Diese durchweg positive Entwicklung bestätigt auch Heidi Stadler, Geschäftsführerin des Immobilienunternehmens First Mallorca. "Der Markt auf der Insel und seine Preise sind auf dem besten Weg, wieder richtig gesund zu werden." Zwar hätten sich nicht alle Zuwächse im Vergleich zum Vorjahr so realisiert, wie viele es erwartet hatten, das liege aber daran, dass 2015 einfach überdurchschnittlich gut war. "Mit diesem Jahr sind wir trotzdem wieder extrem zufrieden", so Stadler.

Das habe man nach wie vor überwiegend deutschen Kunden zu verdanken. "Die meisten unserer Klienten kommen aus dem deutschsprachigen Raum, also auch aus Österreich und der Schweiz." Ein Hauptgrund für den wachsenden Erfolg sei zudem, dass sich die Immobilienkäufer aus dem Vereinigten Königreichs trotz des Brexits kaum spürbar aus dem Markt zurückgezogen haben.

Glänzende Jahre für die Branche auf Mallorca sagt auch Immobilienunternehmer Matthias Kühn voraus. "Die dramatische weltpolitische Situation spricht eindeutig für Mallorca und die niedrigen Zinsen bei den Banken sorgen dafür, dass die Leute in Immobilien investieren", so Kühn, der davon ausgeht, dass die Preise im Luxussegment auch in den kommenden Jahren weiter steigen werden. "Die Nachfrage ist enorm." Vor der Krise habe er geglaubt, die Preise auf der Insel hätten ihren Höhepunkt bereits erreicht. "Darüber kann ich heute nur schmunzeln", sagt er. 2016 habe der Markt enorme Verkaufsbewegungen erlebt. Dazu sieht Kühn auch großes Potenzial in einer sich teilweise wandelnden Klientel. "Klar, wir haben weiterhin viele deutsche und englische Kunden. In die Stadt zieht es vor allem die Skandinavier. Dazu gesellen sich mittlerweile aber auch finanzstarke Kunden aus Fernost." Das sei ein Abbild dessen, was sich vergangenen und diesen Sommer auf Mallorca abgespielt hat. "Es entdecken Leute diese Insel, die sie vorher nicht auf dem Zettel hatten. Eine Marke wie Marbella oder Ibiza, das war Mallorca nie", so Kühn. Aber jetzt lägen im Sommer regelmäßig Megayachten über Wochen in den Häfen und vor den Küsten. "Und die Besitzer sind einen Großteil der Zeit an Bord", sagt er.

"Diese Leute, viele von ihnen 'Big Player' mit entsprechendem Geldbeutel, haben Mallorca für sich entdeckt." Das Image der Insel wandle sich, was sich wiederum positiv auf den Immobilienmarkt auswirke - denn finanzstarke Kunden bezahlen hohe Preise. Dass das bisweilen kuriose Blüten treibt, weiß Lutz Minkner. "Manch ein Investor kauft ein Grundstück mit einer alten Finca, lässt diese abreißen und baut neu. Da ist dann schon viel Geld investiert, bevor überhaupt ein Haus steht." Die Bereitschaft Geld auf der Insel zu lassen, sei also da.

"Mallorca ist teurer geworden, aber wenn man mal sieht, was ein Quadratmeter in New York oder Zürich kostet - zum Teil sind das 60.000 bis 80.000 Euro - dann ist auf Mallorca, wo Preise bis 15.000 oder auch mal bis 20.000 Euro erzielt werden können, noch Luft nach oben", findet Matthias Kühn. Dabei konzentriere sich die Nachfrage nicht nur auf eine Region der Insel, wenngleich Luxusimmobilien vor allem im Südwesten verkauft würden.

Das bestätigt auch Hans Lenz, Geschäftsführer von Engel & Völkers Südwest, der in Port d'Andratx sein Büro hat. "In dieser Gegend ist die Nachfrage weiterhin extrem groß. Wir konnten unser Geschäft in diesem Jahr noch mal um 30 Prozent ausbauen." Für Lenz besonders bemerkenswert: Immer mehr Spanier suchen eine hochpreisige Immobilie auf der Insel. "Überwiegend sind das Häuser oder Wohnungen mit einem Wert zwischen 500.000 und 700.000 Euro. Einige der spanischen Kunden sind aber auch auf der Suche nach Anlagen von über einer Million Euro. Ein deutliches Merkmal eines gesundenden Marktes sieht Lenz darin, dass viele der verkauften Immobilien aus Eigenkapital finanziert werden.

"Die meisten vermögenden Kunden müssen gar nicht auf die Banken zurückgreifen. Eine Immobilienblase, wie es sie vor der Krise gab, erwarten wir deshalb nicht." Vielmehr bereitet Lenz, wie vielen seiner Kollegen auch, etwas ganz anderes Sorgen: zum einen die Langsamkeit der Behörden bei der Vergabe von Genehmigungen, zum anderen der Mangel an bebaubarem Gebiet. "Wir erwarten nicht, dass in naher Zukunft viel Bauland ausgewiesen wird", erklärt er und bringt damit zur Sprache, was die Baubranche auf der Insel schon lange kritisiert. Es fehle vor allem an größeren Komplexen. Kritisieren die Immobilienunternehmer primär den Mangel an hochwertigen Wohnanlagen an der Südwestküste, warnen Experten vor Engpässen auf dem Wohnungsmarkt im "normalen" Preissegment. "Wir würden lieber heute als morgen loslegen", sagt Lluís Martí, Chef des Verbandes der Bauträger auf den Balearen, Proinba.

Die enorme Nachfrage auch in der Stadt und die damit verbundenen steigenden Immobilienpreise haben nämlich auch Auswirkungen auf den Markt kleiner Wohnungen und Einfamilienhäuser. Um 5,4 Prozent ist der Preis für Wohnraum auf den Balearen in nur einem Jahr gestiegen, wie aus Zahlen des Nationalen Spanischen Statistikamts INE hervorgeht. "Finanzstarke Ausländer, die hier eine Immobilie kaufen oder mieten wollen, werden fündig", erklärt Martí. "Aber für die einfachen Mittelklasse-Spanier, die bezahlbaren Wohnraum suchen, wird es immer schwieriger. Palma muss wachsen - nicht nur in die Breite, auch in die Höhe - um der einfachen Bevölkerung wieder bezahlbaren Wohnraum zur Verfügung stellen zu können. Aber die Politik will das nicht, uns sind die Hände gebunden."

(aus MM 53/2016)

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