Der Weise auf dem Berg

Vom Schuh-Designer zum Agrar- und Umweltphilosophen

Alexander Sepasgosarian | 19.01.2012

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Einst gestaltete Guillem Ferrer Schuhwerk, dann verschrieb er sich auf seiner Finca ganz der ökologischen Landwirtschaft.

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22.12.2011 Streit um Öko-Hotel am Naturstrand

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20.12.2011 Streit um Hotel in Sa Ràpita

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Sollten wir alle weniger konsumieren?

Bei dieser Umfrage kann leider nicht mehr abgestimmt werden.

  • Dummes Geschwätz eines Träumers: 20.37%
  • Im Prinzip richtig, aber für Wirtschaft und Wohlstand fatal: 43.21%
  • Das ist weise: 36.42%

Wenn sich das Eisengittertor öffnet, ist es noch knapp ein Kilometer Weg, eine Schotterpiste, die sich in engen Kurven in die Höhe windet. Erst im letzten Moment taucht das versteckt liegende Haus auf. Hier, inmitten terrassierter Anbauflächen samt uralten Olivenbäumen, wohnt Guillem Ferrer.

Der mallorquinische Querdenker ist ein großer Name im Universum der global vernetzten Umweltaktivisten. Die führenden Gurus zur Rettung des Planeten - vor der Klimakatastrophe, dem Artenschwund, Hunger und Verelendung -, sie sind per Du mit dem Mann aus Inca.

„Komm", sagt Ferrer, „ich zeige dir, wo ich mich am wohlsten fühle." Dann geht es durch das nach Feng-Shui-Prinzipien eingerichtete Öko-Haus, wieder hinaus ins Freie, einige Stufen hinab zwischen den traditionellen Trockensteinmauern und hinein in einen Garten, in dem sich Obstbäume, Ackerpflanzen und Heilkräuter in einem harmonischen Kunterbunt wiederfinden.

Angelegt wurde die grüne Oase nach den Postulaten des japanischen Öko-Vordenkers Masanobu Fukuoka. Von hier aus schweift der Blick aus luftiger Höhe über die zentrale Inselebene. Weit draußen im Norden ist zu sehen, wie das Meer die Landfläche begrenzt.

Guillem Ferrer, Jahrgang 1955, ist ein Mensch, der die Öffentlichkeit meidet; jemand, der eher im Stillen für seine Ziele arbeitet:

- Etwa, indem er bewusst auf Konsum weitgehend verzichtet und nur von dem lebt, was unter seinen Händen auf seiner Finca bei Mancor de la Vall gedeiht - angebaut nach ökologischen Prinzipien. An Wasser gibt es nur, was der Regen bringt. Grau- und Schwarzwasser werden im Garten durch eigene Biokläranlagen gereinigt.

- Oder indem Ferrer Menschen zusammen-bringt zur gegenseitigen Bereicherung: So lud er Öko-Vordenker wie Satish Kumar, Fritjof Capra und Gunter Pauli nach Mallorca ein, wo sie ihre Ideen ausgewählten Kreisen vortrugen. „Es geht darum, Samen auszubringen, damit aus ihnen Bäume werden", sagt Ferrer.

Nicht nur im übertragenen Sinne, sondern ganz konkret: Die Fukuoka-Methode besteht darin, Pflanzensamen mit einer kleinen Lehmkugel zu umhüllen und in die Landschaft zu werfen. Geschieht dies im Herbst vor den Regenfällen, könne das Gedeihen durchaus glücken. Zumindest Ferrers Gärten sind zum Teil auf diese Weise entstanden.

Erst neulich war der Name Guillem Ferrers in den Medien aufgetaucht, in Zusammenhang mit einem Hotelprojekt in Sa Ràpita bei Campos. Das als emissionsneutral verkündete Vorhaben berief sich auf Ferrer. Doch dieser distanzierte sich prompt von dem Projekt. Die Initiatoren hätten sich seiner bedienen wollen, offenbar um dem Vorhaben ein umweltfreundliches Label anzuhängen.

Es sei auf Mallorca viel zu viel gebaut worden, schimpft Ferrer. Die Grenzen des Zulässigen seien längst überschritten. Allenfalls vorhandene Bauwerke könnten zu umweltfreundlichen Häusern saniert werden. „Mallorca braucht kein einziges zusätzliches Hotel. Stattdessen braucht die Insel Bäume, Bäume, Bäume."

Der Baum ist nach Ferrers Worten das ideale Vorbild für das Handeln und Wirtschaften des Menschen. „Ein Baum gibt dir viel mehr, als er je von dir nimmt. Er ist selbstlos, hilft dir zu überleben und schädigt nicht deine Umwelt."

Zu einem „Baum" wollte Ferrer damals auch die mallorquinische Schuhfirma Camper ummodeln, als er Mitte der 1990er Jahre dort als Designer engagiert wurde. Bis dahin hatte Ferrer seine eigene Firma „Make up" geleitet, die ökologisch-korrekte Schuhe und Bekleidung international vertrieb.

Bis 2005 wirkte Ferrer am Camper-Aufstieg zu einer Markenware von Weltrang mit. Dann verließ er Camper und wurde Selbstversorger. Sein Brot backt er selbst, sein Tee wird aus Zitronengras-Blättern aufgebrüht.

Konnte Ferrer seine ökologischen Ideale in der real existierenden Wirtschaft nicht verwirklichen? „Ich wollte nicht Teil sein einer Mode, die lediglich den Konsum nährt." Ungeachtet der Trennung sind die Beziehungen zum ehemaligen Arbeitgeber freundschaftlich. Camper unterstützt die Treffen und Workshops, wenn namhafte Öko-Philosophen nach Mallorca kommen, um ihr Wissen mit anderen zu teilen.

Ferrer fordert nicht nur ein Umdenken im Umgang mit der Umwelt, er lebt diesen Wandel vor. „Wenn uns die Welt heilig ist, dann müssen wir sie sauberer, besser hinterlassen, als wir sie vorgefunden haben", lautet seine Maxime. „Wir müssen weniger konsumieren, und mehr arbeiten an Dingen, die uns glücklich machen. Die uns im Innern bereichern."

Einer der Vorbilder Ferrers ist Mahatma Ghandi: „Sei du der Wandel, den du in der Welt sehen möchtest."

Doch auch Ferrer ist klar, dass nicht jeder so leben kann, wie er es tut. Dennoch hofft er, dass sein Beispiel Dritten Anregungen gibt. Überschätzen will sich Ferrer nicht. „Ich bin kleiner als eine Ameise."

Mit Kerzen gegen die Dunkelheit

 

 

Ungeachtet der Probleme, die es auf der Welt gibt, gibt sich Guillem Ferrer optimistisch. Angst raube das innere Glück. „Es ist besser, eine Kerze zu entzünden, als die Dunkelheit zu verfluchen." Getreu diesem Motto setzt sich Ferrer dafür ein, Kindern die Öko-Landwirtschaft nahezubringen. Weiter Infos unter http://www.pocapoc.org/

 

 

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Thomas Drach
Vor 3 Monate

Dieser Artikel begeistert mich. Die Worte sind wie Öl auf der Haut. Guillem Ferrer hat nicht nur den Weitblick und Tiefe für die großen Aufgaben, die auf diesem Planeten zu erledigen sind, sondern er setzt seine Ideen auch in die Tat um und gibt sein Wissen an die Kinder weiter. Sie sind die Gärtner für das Heute und Morgen.

Diese Sätze von ihm haben mich besonders begeistert: „Wenn uns die Welt heilig ist, dann müssen wir sie sauberer, besser hinterlassen, als wir sie vorgefunden haben", lautet seine Maxime. „Wir müssen weniger konsumieren, und mehr arbeiten an Dingen, die uns glücklich machen. Die uns im Innern bereichern."

DANKE, dass Sie diesen Artikel veröffentlicht haben. Sonnige Grüße aus Deutschland.

Thomas Drach

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