Man könnte auch von "raumfüllender Präsenz" sprechen. Wenn Dieter Pfaff nach der treffend-sten Antwort auf eine Frage sucht, macht er das nicht oberflächlich linear, nein, er umkreist sie sozusagen spiralenförmig, um schließlich zu ihrem Kern zu kommen: "War das verständlich?", fragt er dann zurück.
Erstaunlich kurz darum seine Antwort auf die Frage, wie er etwa das Arbeiten mit Schauspielkollege Götz George finde. "Großartig", sagt Dieter Pfaff. "Der ist genauso ein Kämpfer und Wühler um das Wahrhaftige."
"Der kann nicht anders": Sagt Pfaff über Bloch, den ungewöhnlichen Psychologen, den er in der gleichnamigen Film-Reihe seit 2002 spielt (nächste Sendetermine: "Bloch: Der Fremde" am 20. Juni; "Heißkalte Seele" am 29. August; 20.15 Uhr im Ersten).
Ganz früher, da wollte er selbst mal Therapeut werden, mit "Bloch" (an der Idee ist er maßgeblich beteiligt) hat er sich einen alten Berufswunsch erfüllt. Dass viel Pfaff in Bloch zu finden ist, stört den Schauspieler nicht, im Gegenteil: "Der Kern, der in jedem Menschen steckt, muss in dem, was er tut, herauskommen. Egal, ob du malst, schreibst, musizierst oder spielst: Nur mit dieser Identität hat deine Arbeit die Chance, andere zu berühren."
Andererseits entdecke er manchmal eigene Züge erst in seinen Rollen: "Als ich etwa den ,Sperling' gespielt habe, eine Figur, die unglaublich melancholisch ist. Ich wusste gar nicht, dass ich das auch bin." Sein Hang zu eher schwermütigen Charakteren ist natürlich auch komplexer: "Ich glaube, dass mein Kern hell ist." Worum es vielleicht ginge: "Das Dunkle kennen und sich für das Helle entscheiden."
Letzteres tut er auch auf Mallorca: "Das ist ja doch eine andere Farbtemperatur hier - da geht mir das Herz auf." Mit seiner Ehefrau macht er gerade Urlaub bei Freunden in Sóller, früher, in den 1990er Jahren, hatte er auch ein eigenes Haus in Andratx. "Aber es gibt ja so viele wunderschöne Landhotels hier." Wie das Agroturismo-Hotel "Ca N'Aí" in der Tramuntana, in dem er vor einiger Zeit Urlaub machte: "Ich habe zu meiner Frau gesagt: Ein Teil des Paradieses sollte so aussehen."
Auch wenn die Arbeit nie ganz in Vergessenheit gerate - ab 28. Februar dreht er in Köln den nächsten "Bloch" -, auf Mallorca genießt Dieter Pfaff neben der Natur ("Im Moment nur etwas nasskalt!") "alles, was man so macht im Urlaub: Mit Freunden kochen, essen, die Nacht durchquatschen".
Seine Gitarre hat er allerdings nicht mitgebracht, obwohl er doch kürzlich mit einer ganz eigenen Balladen-Version von Johnny Cashs "Ring of Fire" bei "Inas Nacht" das TV-Publikum verzückte. "Eigentlich wollte ich ja Rocksänger werden", gibt er zu. Aber: "Ich habe mich nicht getraut."
Schon als Fünfjähriger habe ihn seine Oma Johanna zum Krämer und Friseur mitgenommen, wo er fröhlich 1950er-Jahre-Schlager trällerte. Damals begann sie wohl schon, meint Dieter Pfaff, "diese Sucht nach frei werdendem Adrenalin und der gleichzeitigen Überwindung von Angst".
Oft, erzählt er, singe er auch am Set vor Beginn der Drehs: "Weil mich das entspannt. Loslassen heißt ja, sich in einen Zustand zu begeben, wo das passiert. Wenn man die Dinge absichtlich tut, werden sie schlecht." Eine "Traumrolle" gibt es für den vielfachen Preisträger nicht, seine "Lebensthemen" habe er mit Bloch, Sperling und "Der Dicke" erzählt. Aber da seien ja noch viele Dinge, und: "Alle Rollen, die Charles Laughton gespielt hat, die würde ich auch gern spielen."
ZUR PERSON: DIETER PFAFF
Geboren am 2. Oktober 1947 als Sohn eines Polizisten in Dortmund. Nach einem (abgebrochenen) Lehramtsstudium nimmt er mit 22 Jahren sein erstes Engagement als Regieassistent am Theater Dortmund an.
Lange ist er Dramaturg, Autor und Regisseur, 1983 bis 1990 hat er eine Professur für Schauspiel an der Universität für Musik und Darstellende Kunst in Graz.. Mit etwa 35 Jahren entschließt sich Dieter Pfaff, vorrangig Schauspieler zu sein.
Ab 1996 wird er in der Krimireihe "Sperling" als gleichnamiger Kommissar bekannt - sein künstlerischer Durchbruch. Auch in der Reihe "Bloch" verkörpert er seit 2002 einen Menschen, der sich als Therapeut ohne Rücksicht auf eigene Verluste für andere einsetzt - genau wie in "Der Dicke", einer Serie, in der er seit 2005 den engagierten Rechtsanwalt "der kleinen Leute" verkörpert..
Zahlreiche Auszeichnungen, darunter zweimal den Adolf-Grimme-Preis für "Balko" (1996) und für "Bruder Esel" (1997) sowie 2001 die "Goldene Kamera".
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