Calatrava, mon amour!

Viele lieben das Viertel an der Kathedrale. Doch Geschäftsleute haben es mitunter schwer.

Thomas Zapp | 11.02.2012

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Blick von der Terrasse ihres Aticos: Brigitta Norrenbrock liebt ihr Calatrava.

Foto: zap
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Wenn Brigitta Norrenbrock in ihrem Atelier frische Blumenbestecke bindet, schaut Tischler Pepe gerne mal auf ein Schwätzchen vorbei. Auch die älteren Damen aus dem Viertel grüßen die Deutsche mit den langen blonden Haaren mittlerweile freundlich. „Das hat eine Zeit gedauert, aber ich fühle mich wohl in meinem Viertel", sagt die 41-Jährige. Seit sieben Jahren ist die gelernte Floristin selbstständig, dekoriert Hochzeitstafeln und Kapellen oder auch Häuser betuchter Teilzeitresidenten mit Blumen, damit sie sich bei ihrer Ankunft auf Mallorca gleich richtig wohlfühlen.

Unweit ihrer Blumenwerkstatt im Carrer Monti-Sion steht die gleichnamige Kirche, erbaut auf den Ruinen einer Synagoge. Sa Calatrava und das benachbarte Monte-Sion, das Viertel, in dem Brigitta Norrenbrock lebt und arbeitet, war in seiner jahrhundertelangen Geschichte das Viertel der jüdischen Gemeinde von Palma, aber auch die Muselmanen haben hier ihre Spuren hinterlassen. Die arabischen Bäder legen bis heute Zeugnis davon ab.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war das Barrio um die Kathedrale ein Arbeiter- und Einwandererviertel, vor allem für Festlandspanier. Die Angestellten der Lederbetriebe lebten hier, wie die Calle Sa Pelletería (Gerberstraße) dokumentiert. Seit den 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts haben wohlhabendere Schichten Calatrava als Wohnviertel mit Altstadtcharme und Meeresnähe oder sogar Meerblick entdeckt.

In einer Studie der Caja Madrid wird der Bereich hinter der Stadtmauer (Dalt Murada) zu den teuersten Wohnecken Spaniens gezählt, mit einem Quadratmeterpreis von 17.000 Euro. Das ist momentan wohl eher utopisch. Bis zu 11.000 Euro pro Quadratmeter könne eine Wohnung bei entsprechenden Voraussetzung aber kosten, sagt Frank Bieramperl, seit 2003 Geschäftsführer der Immobilienfirma Domo Plan in der Calle Portella, im Herzen von Calatrava. Meerblick, renoviert, Fahrstuhl und "das gewisse Etwas", damit könne man immer noch hohe Preise erzielen. Wohnungen, die überall stehen könnten, bekomme man auch schon für die Hälfte. In Mietpreisen ausgedrückt heißt das: 700 Euro für eine Zweizimmerwohnung muss man mindestens hinblättern, für weniger Geld gibt es vielleicht noch Erdgeschoss mit wenig Licht. "Nachlassende Preise in der Krise, das gilt nicht für Calatrava", sagt Bieramperl.

In der Schönheit des Viertels liegt zum Teil auch sein Problem. Der Soziologe Jaume Franquesa hat ein Buch geschrieben: "Sa Calatrava, mon amour". Seine Kernthese lautet: "Sa Calatrava will kein Luxus-Schlafzimmer sein." Touristen lieben Calatrava für seine Fotomotive, einkaufen oder im Café sitzen tun sie lieber auf den großen Plätzen oder dem Borne. Dabei gibt es viel zu entdecken, wie die Bäckerei "Es Rebost", wo die gebürtige Baskin Mónica de Mendoza köstlichen Kuchen, Teigtaschen (empanadas, robiols) und frisches Brot aus eigener Produktion verkauft.

Brigitta Norrenbrock kauft in dem urigen Geschäft im Carrer Santa Clara regelmäßig ihr Olivenbrot. Wenn es nach Móncia de Mendoza geht, müsste mehr für das Viertel getan werden. "Wir haben doch alles hier, kleine Läden, gegenüber eine Weinhandlung, eine Buchhandlung. Trotzdem gehen die Touristen woanders hin." Auch die Mexikanerin Victoria Fox wünscht sich mehr Leben im Viertel. Ihre exotischen Tücher und Silberschmuck gibt es sonst nirgendwo in Palma. Von zehn bis 1000 Euro kosten ihre Schals, auch exotische Kleider bietet sie in Mira Mira Catxemira an.

Zum Wohnen ist Calatrava für Brigitta Norrenbrock das ideale Viertel. "Wenn ich mich hier bewege, brauche ich das Auto überhaupt nicht, das ist super", schwärmt sie. Ihre vierjährige Tochter Cleo geht auf die Schule Sant Agustín, drei Freundinnen der Tochter wohnen um die Ecke, von ihrer Atico-Wohnung blickt sie auf die Kathedrale und den Hafen. "Mon Amour" - den Buchtitel würde sie unterschreiben.

INFO

Zusammen haben beide Viertel etwas mehr als 2000 Einwohner. Zwei Vor- und Grundschulen, eine öffentliche Schule (Gabriel Alzamora), eine Ganztagsschule und zwei Kindergärten runden das Angebot an Bildungseinrichtungen ab.

Im Viertel befinden sich zudem die Architektenkammer und das Jugendgericht. Die katholische Kirche Monti-Sion steht an der gleichnamigen Straße. An der Carrer Planes i Franch ist die Gemeindebibliothek Sant Jeroni untergebracht.

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Pedro
Vor 3 Monate

Wunderschönes Viertel!

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