Vor allem für die Gemeinden im Norden und Osten Mallorcas ist der Namenstag des Heiligen Antonius der Höhepunkt des Festkalenders. Schon in der Nacht auf den 17. Januar wird gefeiert, als ob es kein Morgen gäbe - und das, obwohl das Fest in diesem Jahr auf einen Dienstag fällt.
Das Spektakel mit Teufelsgilden und Freudenfeuern ist eine Mischung aus Volksfest, Karneval und kirchlichem Feiertag. Im Mittelpunkt steht der Heilige Antonius, Patron der Tiere, vor allem der Schweine. „Sie waren früher die Basis der Landwirtschaft auf Mallorca", sagt Musikwissenschaftler und Ethnologe Francesc Viçens, der in seinem Buch „Diguem Visca Sant Antoni" die Hintergründe des Fests erklärt hat.
Weil Antonius der Legende nach ein todkrankes Ferkel heilte und später als ständigen Begleiter dabei hatte, segnet man an seinem Ehrentag die Tiere mit Weihwasser. Die Tradition ist in Sa Pobla seit 1364 belegt. Während der Segen früher dem Nutzvieh galt, bringen die Menschen heute vor allem Haustiere, zu den Geistlichen. Neben Hunden und Katzen sind auch Exoten wie Goldfische oder Schlangen dabei.
Wiederbelebt worden sind auch Freudenfeuer und Tänze von Teufelsfiguren, die angeblich einst den Heiligen Antonius bei seiner einsamen Meditation in der Wüste verführen wollten. In den letzten 15 Jahren haben sich auch Inseldörfer eingeklinkt, in denen die Tradition schon in Vergessenheit geraten war.
„Heute ist Sant Antoni ein wichtiger Tag für die Identität Mallorcas", sagt Francesc Viçens. Das beinhaltet auch derbe Bräuche und zotige Lieder, die so genannten „Gloses", mit denen der Pfarrer oder der politische Gegner provoziert werden darf. „Eine Nacht lang gibt es dafür einen Freibrief. In diesem Jahr werden sicher auch König Juan Carlos und sein umstrittener Schwiegersohn Iñaki Urdangarin aufs Korn genommen", erläutert Francesc Viçens.
Mitunter geht es dabei auch aggressiv zu. Beim Aufstellen der Sant-Antonius-Kiefer in Pollença soll zum Beispiel schon so manche Kamera von ortsfremden Journalisten durch die Luft gewirbelt sein. Vor allem zu den Teufeln sollte man an Sant Antoni etwas Sicherheitsabstand halten. Die Mitgliedschaft in ihren Gilden ist bis heute den einheimischen Männern vorbehalten und teilweise sogar vererbbar.
Schwer verständliche, archaische Rituale in Orten wie Artà, Capdepera oder Son Servera stehen laut Francesc Viçens im Gegensatz zu moderneren und offeneren Formen des Fests, die zum Beispiel in Muro oder Manacor gepflegt werden. Das gilt auch für Sa Pobla, wo Sant Antoni am größten gefeiert wird. Die Feierlichkeiten dauern dort eine ganze Woche lang.
Trotz aller Unterschiede gibt es auch Ähnlichkeiten im Ablauf. Wichtig sind neben der Figur des Heiligen Antonius und den Dämonen auch Dudelsack-Combos - die sogenannten „Xeremiers" -, Trommeln und Rhythmus-Instrumente wie die typische Ximbomba oder der Volkstanz „Ball de Bot". „Ohne Musik kein Fest", sagt Francesc Viçens. Elemente wie Riesenfiguren, Schwellköpfe oder Drachen seien allerdings vom „Fallas"-Volksfest in der Region Valencia importiert worden.
Die Freudenfeuer und Grillfeste sollen unterdessen auf heidnische Überlieferungen zurückgehen und mit der Sonnenwende oder dem Wunsch nach dem Vertreiben des Winters zusammenhängen. Das Feuer stehe für Reinigung und Erneuerung. Früher wurde darin auch überflüssiger Hausrat verbrannt.
Wer unter der Woche nicht dabei sein kann, hat übrigens am Sonntag, 22. Januar, noch einmal die Chance, denn in Orten wie Cala Rajada oder Son Carrió finden die Tiersegnungen etwas später statt. Die Teufel haben dann allerdings eine Auszeit - bis zu ihrem nächsten großen Auftritt in der Johannisnacht.
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