Die Stunde der Sieger

Mit dem Abzug des republikanischen Expeditionsheeres wurde das gegnerische Hauptquartier in Sa Coma wurde zum Fotomotiv

Alexander Sepasgosarian | 06.10.2011

preload
sa coma sa punta d'en amer huellas de la guerra civil sebastia pascua

Der Wachturm aus dem 17. Jahrhundert. Von hier aus kann man die Ostküste gut überblicken.

sa coma sa punta d'en amer huellas de la guerra civil sebastia pascua sa coma sa punta d'en amer huellas de la guerra civil sebastia pascua sa coma sa punta d'en amer huellas de la guerra civil sebastia pascua sa coma sa punta d'en amer huellas de la guerra civil sebastia pascua
sa coma sa punta d'en amer huellas de la guerra civil sebastia pascua sa coma sa punta d'en amer huellas de la guerra civil sebastia pascua sa coma sa punta d'en amer huellas de la guerra civil sebastia pascua

Niemand weiß, wie der Verwundete hieß, der am 4. September 1936 hinter dem Strohberg erschossen wurde. Die Soldaten, die als militärische Sieger im Inselosten einrückten, griffen den Mann bei Sa Coma auf. Er war einer von einem Dutzend Milizionäre, die dort gemeinsam mit fünf Rotkreuzschwestern beim Rückzug des republikanischen Heeres auf Mallorca "vergessen" worden waren. Sie hatten es nicht mehr rechtzeitig zu den abfahrenden Schiffen geschafft.

Die Gefangenen wurden auf einem Lastwagen nach Manacor gebracht und dort hingerichtet.

Bei dem Einzelopfer machte man jedoch eine Ausnahme. War er zu schwer verletzt, um ins militärische Hauptquartier des Feindes gefahren zu werden? Oder war der Mann erst in seinem Versteck aufgespürt worden, als der Laster bereits fort war?

Wie auch immer, es wurde kurzer Prozess gemacht, hinter dem haushohen Strohschober, direkt am Dreschplatz des Anwesens von Sa Coma, drei Schritte entfernt vom Sandstrand, der inzwischen jeden Sommer Tausende Touristen und Badegäste verzückt. Der Tote wurde im Sand verscharrt. Als Transporter war ein Eselskarren im Einsatz. Historiker schätzen, dass insgesamt 100 bis 200 "Vergessene" im Inselosten liquidiert wurden.

Das Anwesen von Sa Coma erlebte eine ungeplante Siegesparade. Zu Hunderten rückten die Militärs in das neuralgische Zentrum des ehemaligen Kampfgebietes ein. 20 Tage hatten die "Cases de Sa Coma" dem Kommandanten des Expeditionsheeres Alberto Bayo als Hauptquartier und Lazarett gedient.

Bayo hatten den Versuch unternommen, Mallorca von den Franquisten zurückzuerobern. Doch seine Offensive blieb in blutigen Schlachten im Inselosten stecken. Dann befahl Madrid Bayo den Rückzug. Über Nacht verließen 3000 Mann ihre Stellungen und fuhren - vom Feind unbemerkt - auf den Kriegsschiffen zurück aufs Festland.

Die "Roten" waren in die Flucht geschlagen worden; so sahen es zumindest die Franquisten auf Mallorca. Jetzt wurde in Sa Coma eifrig fotografiert und der Ort den Offiziersgattinnen präsentiert. Mit Autokolonnen wurden die Schaulustigen herangekarrt.

Ein Spektakel waren zwei Wasserflugzeuge, die der Feind mit zerstörtem Antrieb zurückgelassen hatte. Sie dümpelten im seichten Wasser am Strand, wie historische Aufnahmen zeigen.

Noch heute beherbergt das Landgut von Sa Coma versteckte Überbleibsel des Krieges im Inselosten. Denn das Anwesen, das die gesamte Landspitze "Punta d'en Amer" umfasst, blieb wie durch ein Wunder von der Bebauung verschont und ist heute ein Naturschutzgebiet.

Sebastián Pascual, der Verwalter des Landgutes, führt durch dichtestes Kiefern- und Mastixgestrüpp. Dann zeigt er auf ein paar überwucherte Felsen. Ungeachtet der Vegetation lassen sich rechte Winkel im Gestein erkennen. Hier, im ehemaligen Steinbruch, hatten die Republikaner ihr Munitionsdepot eingerichtet. Das "Polvorín" wurde vom Feind entdeckt und aus der Luft bombardiert. Die Explosion war so gewaltig, dass Fachleute Jahrzehnte später die Felder der Umgebung mit Metalldetektoren absuchten, um Granatsplitter zu entfernen, erzählt Pascual.

Nach dem Abzug der Republikaner setzte sich das franquistische Militär in Sa Coma fest. An der Küste wurden Bunker und MG-Nester errichtet, um eine zweite Landung von vornherein zu vereiteln. Auch der historische Wachturm "Es Castell" auf der Landspitze wurde mit Soldaten besetzt. Der Bau aus dem 17. Jahrhundert, der einst Piraten abwehren sollte, diente nun der Aufklärung. Von den Turmzinnen aus lassen sich die östlichen Küstengewässer überwachen.

Auch das Restaurant am Fuße des Wachturms, der ein kleines Museum zur Piratenepoche beherbergt, ist militärischen Ursprungs. Wo heute Gäste mit Blick aufs Meer Pa amb oli bestellen, hatten einst Soldaten ihre Mannschaftsunterkünfte, wenn sie nicht gerade Wachdienst schoben.

Kommentieren

Warnhinweis

Bitte beachten Sie, dass Sie für alles was sie schreiben verantwortlich sind und dass den zuständigen Behörden und Gerichten alle Daten zur Verfügung gestellt werden, die juristisch eingefordert werden (Name, Mailadresse, IP des Rechners sowie Informationen, die vom System übermittelt werden)..

Nutzungsbestimmungen

Rechtlicher Hinweis

» Der Inhalt der Kommentare spiegelt die Meinung der Nutzer wider, nicht die von mallorcamagazin.com

» Es ist nicht erlaubt, Kommentare abzuschicken, die gegen das Gesetz verstoßen oder unangebrachte, beleidigende oder ehrverletzende Inhalte haben.

» mallorcamagazin.com behält es sich vor, unangemessene Kommentare zu löschen.

Bislang gibt es keine Kommentare.

Palma
  • Máx: 26°
  • Mín: 11°
Parcialmente nublado
24°

Fotogalerien

1
1
1
1
1
1
1
1
1
1

Cintillo Tierisches Golfturnier: Der HuGo-Cup 2012 in Camp de Mar

Videogalerien

Heute in Mallorca
  • Kunstnacht in Lloseta

    Kunstnacht in Lloseta

    Mit einer ersten Kunstnacht will Lloseta Besucher anlocken. Der besondere Clou: der historische Palast Aiamans im Zentrum des Ortes kann dabei besichtigt werden. Das Ereignis am 18. Mai bietet zudem Ausstellungen und Livemusik.   “Accions Lloseta” ist eine Initiative der Kulturabteilung der Gemeinde Lloseta. Gemeinsam mit Künstlern wurde ein Kulturevent ins Leben gerufen, der verschiedene Disziplinen vereint: Ausstellungen von Bildern und Skulpturen, Poesie und Musik.  Lloseta, das [...]

  • AUSVERKAUFT: Sergio Dalma

    AUSVERKAUFT: Sergio Dalma

    Der spanische Sänger und Komponist präsentiert am 18. Mai im Auditorium von Palma sein neues Album "Via Dalma II". Der Musiker singt seine melancholischen Balladen auf Spanisch, Italienisch und Katalanisch. Sergio Dalma in Concert am Freitag, 18. Mai, 21 Uhr, Auditorium von Palma, Paseo Marítimo. Karten 38 Euro im Auditorium täglich außer Sontags von 10 bis [...]

  • Mittelalter-Markt in Capdepera

    Mittelalter-Markt in Capdepera

    Der mittelalterliche Markt in Capdepera, im Zentrum des Ortes und auf der Burg  bietet vom 18. bis 20. Mai ein buntes Programm an altertümlicher Musik, Marktständen, Kostümen, Theateraufführungen und Umzügen.  Freitag, 18. Mai: Um 19.30 Uhr feierliche Eröffnung des Marktes in der Burgkapelle, um 21.30 Uhr Umzug der Feuerteufel an der Plaça des Sitjar. Samstag, 19. Mai: Um 10.30 Uhr Trommlerkonzert [...]

  • Schneckenmesse in Sant Jordi

    Schneckenmesse in Sant Jordi

    Am Sonntag, 20. Mai, dreht sich in dem nahe am Flughafen gelegenen Ort Sant Jordi alles um das Thema Schnecken. Ab 10 Uhr sind die Stände und Attraktionen im Zentrum aufgebaut. Den ganzen Tag lang gibt es Kostproben von Gerichten mit Schnecken, Schnecken-"Wettrennen", Kinderanimation zum Thema. Darüber hinaus Verkaufsstände mit Kunsthandwerk und einheimischen Produkten, Musikumzüge.

  • Fira del Fang in Marratxí

    Fira del Fang in Marratxí

    Töpfermesse im Vorhof der Kirche Sant Marcal im Stadtteil Sa Cabaneta. Sie wurde dieses Jahr von Ende Februar/März auf den 12. bis 20. Mai verlegt, da in den vergangenen Jahren des Öfteren das Wetter nicht mitspielte. (mit Video von 2011) In den Vorjahren war die Töpfermesse oft verregnet“, sagt Marta Fernandez, Pressereferentin von Marratxí, „deshalb haben wir [...]

  • 18. Mai – Internationaler Tag der Museen

    18. Mai – Internationaler Tag der Museen

    Am 18. Mai ist der Tag des Museums. Auf Mallorca gibt es ein Netz von 60 Einrichtungen zu Geschichte, Kunst und zum Leben herausragender Persönlichkeiten. Viele Kulturstätten bieten aus diesem Anlass einen Tag der offenen Tür. Der Internationale Museumstag findet seit 1977 alljährlich am 18. Mai statt. Es ist ein internationales Ereignis, das auf die Vielfalt [...]

  • Benefiz-Golfturnier für Kinder

    Benefiz-Golfturnier für Kinder

    Zum siebten Mal findet am Sonntag, 20. Mai, auf dem Golfplatz Son Termens das „Torneo de Golf Vall de Sóller" statt – das „Golfturnier des Sóller-Tales". Wieder steht der Event unter dem Motto „Golf spielen und Gutes tun", denn der Erlös fließt den „Amics de la Infància" zu. Diese Organisation unterstützt seit Jahren sozial benachteiligte Kinder auf Mallorca [...]

  • Lesung mit Harald Dietl

    Lesung mit Harald Dietl

    Der beliebte Schauspieler, Synchronsprecher und Autor liest am Sonntag, 20. Mai, aus seinem Buch "Beachtliche Erlebnisse eines Weltreisenden" in der Kulturfinca Son Bauló in Lloret de Vistalegre. Reservierung erbeten unter 971-524206.

  • Das Konvent der Kapuzinernonnen

    Das Konvent der Kapuzinernonnen

    Geschichte höchst lebendig. Geschichte, die Spaß macht. Im April und Mai findet der geführte Rundgang „Das Konvent der Kapuzinernonnen“ statt. "Das Konvent der Kapuzinernonnen" - Dienstag, 10. April, 24. April, 8. Mai, 22. Mai. Beginn jeweils um 10.00 Uhr. Anmeldung unter 971 720 720 oder 636 430 000 zwischen 8 und 15 Uhr. Oder im Büro Oficia d [...]

  • Il Trovatore

    Il Trovatore

    Beim Opernfestival von Palma wird das Stück "Il Travatore" von Guiseppe Verdi aufgeführt. Es spielt das Orchester der Balearen „Ciutat de Palma“ unter der Leitung von José María Moreno. Eintritt: Karten – 60, 50, 40, 30, 20 und 8 Euro. Abonnement für drei Opern (Carmen, La Bohème, Il Trovatore): 130, 105, 80 und 60 Euro. Teatre Principal, Palma, [...]

Essen trinken